Blättertod 7 – Was könnte helf… äh, verkaufbar sein?

Man kann herumreden, soviel und so intensiv man auch immer will. Man kann auf Blogs, Twitter, im Blatt selbst und auf Willi-Wichtig-Konferenzen permanente Gute-Laune-Sprüche und Wir-schaffen-das!-Motivationsverstärker loslassen. Man kann vor internationale Gerichte ziehen, die Parlamente mit Scheingesetzen bedrängen und Hinterzimmergeschäfte um Milliardensummen im Medienmix durchziehen. All‘ dies und noch viel mehr ändert an einer klaren und eindeutigen Tendenz nichts: der (Druck-) Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt dämmert dahin, die Auflagen gehen unaufhaltsam und flächendeckend zurück. Abonnenten sterben und wachsen nicht wieder nach. Direkte Papierstapelverkäufe werden weniger und „unmöglicher“. Das Anzeigengeld wird weniger und spezialisierter.

Was könnte man aus Konsumentensicht tun, um eine qualitativ hochwertige, privatwirtschaftlich florierende Zeitungslandschaft am Leben zu halten?

1. Man kann keine Abos mehr kaufen.

An sich ist das eigentlich etwas traurig und gleichzeitig komisch – aber andererseits ist das einfach eine völlig natürliche Folge der ins Kraut geschossenen elektronischen Medien seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Und hier betone ich gleich: keineswegs nur des Netzes! Auch ohne „Internet“ wäre das Problem des verdrängenden Einflusses durch elektronische Massenmedien (und andere kommerzielle Aufmerksamkeitseinfänger) wohl in ganz gleicher Schärfe gegeben. Mancher würde hier vielleicht einwenden, dass selbst unter stärkstem Aufmerksamkeitsverlust für News und Stories immer noch die lukrativen Anzeigenseiten zu bedienen wären – aber das haben die Zeitungsleute ja mit vollkommen eigener Kraft und mit eigenen Mitteln schon lange selber als Leistungskriterium abgehalftert: die Umsonst-Werbeblättchen, die ungeliebt und ungelesen die Hauptmasse des Papierabfalls in einem Privathaushalt ausmachen, kommen direkt aus den Zeitungsverlagen der 80er Jahre. Es gibt keinen Grund, warum außer in speziellen Sparten, Regionen und Fällen auch gänzlich ohne „Internet“ die Werbeblättchen den Kleinanzeigen- und lokalen Werbemarkt den Tageszeitungen nicht weggenommen haben sollten (analog etwa zu den werbefinanzierten Privatsendern, ebenfalls eine große Sünde der 80er).

Es ist, wie es eben ist: zuviele Quellen von zuviel Zeug binden zuviel an Aufmerksamkeit für jeden. Und da man als braver Konsument nun mal ein paar TV-Sets, ein paar Radios, ein paar Abspielgeräte für gottweißwas plus ein paar von diesen komischen „Computern“ plus Kinos, Theater, Kleingärten&whatnot hat, fällt die Notwendigkeit und die verfügbare Zeit für die Informationsgewinnung „aus dem Blatt“ mehr und mehr weg. Und da darf man sich nichts vormachen und es macht sich auch niemand etwas vor: es ist auf Dauer gesehen einfach Quatsch, ein Abo einer dicken, fetten Papierzeitung zu unterhalten, wenn man den Kram nicht intensiv nutzt. Selbst wenn einem die nutzlos ausgegebene Kohle egal ist und irgendwelche Traditionen und Bräuche hochgehalten werden im Selbstbild – die Bewirtschaftung der oftmals unnütz gewordenen Papierstapel macht einfach zuviel Arbeit, als das man es auf Dauer ignorieren könnte.

Aber man könnte ja statdessen total „modern“ ein „Online-(Voll-)Abo“ nutzen?! Aus Sicht der Verleger und ihrer Knechte in den Redaktionsstuben ganz sicher – dann wäre man ein guter Konsument, der brav von einem Medienträger auf den anderen hüpft, wenn es der Produzentenseite aus welchen dubiosen Gründen auch immer gefällt. Aus Konsumentensicht könnte das zumindest theoretisch ebenfalls ein „gutes“ Geschäft sein, je nachdem, welche Zusatzbedingungen aus Konsumentensicht ein solches Online-Abos erfüllen müßte.

Das finge sicher zuerst mal schon mit dem Anzeigeformat und/oder der Anwendbarkeit am Anzeigegerät an. Ohne hier in irgendwelche Details einzusteigen, müßte das „online“-Produkt benutzungsfreundlich im weitesten Sinne sein (oder zumindest in dem Sinne, in dem es auch so ein komischer Papierstapel ist, den man feucht aus dem Briefkasten herausklauben muß und mit dem man sich dann mit nicht geringem Aufwand mit den üblichen Problemen beim unmöglichen Flabberpapier-Format herumschlagen muss). Es bleibt einem weiteren Blog-Beitrag überlassen, sich mit 15 Jahren Überlegungen zum „eReader“ herumzuplagen (es gibt schon einen ewig alten Text, der sich mit Konsumenten-Überlegungen zur Zukunft von eReadern beschäftigt) – aber alles in allem gesehen kann man wohl berechtigt sagen, dass pdf-Formate gar nicht geeignet sind, eBook-Formate eine Sache für sich sind und „tolle Apps“ der Verlage – selbst gemessen an den Papierstapeln – ihre beworbene Tollheit nur dahingehend erweisen, die die Werbung *nicht* meint.

Dann müßte es wohl signifikant billiger sein als das print-Abo, so ein Online-Abo (s. Ergänzung aus 2016). Zumindest nach dem Verständnis eines Konsumenten. Allerdings sieht das die Verlegerseite im Großen und Ganzen absolut nicht so und bietet die Online-Abos typischerweise nur mit einem Preisvorteil von 10 bis 30% gegenüber dem Papier-Abo an. Für ein Produkt, das nicht (genügend) genutzt wird, ist das Problem dann natürlich exakt dasselbe wie die oben beschriebene Grundproblematik – es ist den dann immer noch durchaus happigen Abo-Preis einfach, schlicht und simpel nicht wert.

Man kann mit so einem „Online-Abo“ natürlich auch durchaus lukrative Zusatzangebote verbinden – etwa die manchmal hoch willkommene Möglichkeit des Durchgriffs auf das Archiv der Zeitung oder die Möglichkeit zum Luftablass… äh, Kommentieren oder dergleichen. Schwer zu sagen, ob das im Einzelfall etwas so nützliches ist, dass ein Abo dadurch sinnvoll wird – im Großen&Ganzen darf man durch die Erfahrungen der letzten Jahre aber beruhigt davon ausgehen, dass nur sehr, sehr wenige von den unheimlich tollen online-Dingen so beeindruckt sind, dass sie sich für ein entsprechendes online-(Voll-)Abo begeistern lassen. Und zwar so wenige, dass es schon wieder ein sehr klares und deutliches Statement ist – zuungunsten der Online-Abos.

Alles in allem gesehen ist die Tendenz aus Konsumentensicht im Grunde eindeutig: „Abos“ kann man langfristig im Privatbereich schlicht und einfach vergessen. Nobody’s got any time for that ;-). Wenn überhaupt, dann können Subskriptionsmodelle nur im Zusammenhang mit gesellschaftlich breit akzeptierten Versorgungsprinzipien wirksam werden – etwa vergleichbar den Rundfunkbeiträgen. Wie gut die heute funktionieren ist natürlich auch wieder ein sehr breites und sehr eigenes Thema.

2. Man kann online keine Einzelartikel kaufen.

Einschränkung: außer im Einzelfall.

Hier geht es um die „Paywalls“ von Zeitungs-/Zeitschriftenwebseiten. Und da habe ich es leicht, weil es dazu schon einen unsinnig langen und mäandernden Blog-Text gibt, in dem ich versucht habe einzugrenzen, was wohl ein online-Artikel hinter einer Paywall „wert“ sein könnte (dem Konsumenten, wohlgemerkt – der Produzent sieht das natürlich anders). Als Privatansicht (allerdings begründet) komme ich darin zur Schlussfolgerung, dass ein Preis deutlich unter 10 Cent (oder vglb. Geldmenge gemessen an 2014, je nach Währung und Inflationsstand) aus Konsumentensicht „angemessen“ wäre. Das ist damit gleichzeitig der ultimative „death stroke“ für alle derzeitigen Paywall-Systeme, denn deren Ansätze liegen *durchweg* sehr weit jenseits solcher einstelligen Cent-Beträge. Eine Abwendung von der Strategie der „überhöhten“ Einzelpreise (aus Konsumentensicht) ist auch Mitte 2015 nirgendwo zu erkennen, auch nicht eine wenigstens langfristige Absicht hierzu (Erläuterung: über nun zwei Jahrzehnte lang hat in Dtschl. das sog. „Pay-TV“ – also etwa DF1-Premiere-Sky – die heftigen Zugangspreise für ein einigermaßen lukratives Abo-Angebot damit begründen können, dass wenig oder überhaupt keine externe „Werbung“ gezeigt wird und gleichzeitig die erforderliche Menge an Abonnenten nicht gegeben ist, um in den grünen Bereich zu kommen. In diesen Aussagen war zwar nicht ausdrücklich, aber doch irgendwo mitschwingend enthalten, dass die Zugangspreise sinken würden – und auch wohl die „Qualität“ steigen würde -, wenn erst mal 3 Millionen oder 4m oder 5m…. Abonnenten gewonnen sein würden. Im Prinzip macht so eine Art von inhärentem „Versprechen“ einen gewissen Sinn – es schmeichelt einem Konsumentengefühl, ein „early adopter“ an der Spitze der Medienfront zu sein, während sich gleichzeitig die Erwartung der permanenten Verbesserung sozusagen von selbst erfüllen soll. Mal ganz und gar davon abgesehen, dass diese Art des „Pay-TV“ die hinein interpretierten „Versprechungen“ immer deutlicher und immer massiver verfehlt, fehlen solche „Zukunftsvisionen“ von der Verbesserung der Zugänglichkeit im Zeitungs-Segment völlig).

Aber selbst wenn der Stab schon gebrochen ist über den deutlich zu hohen derzeitigen Zugangspreis, kann man immer noch ein paar Nebeneffekte ansprechen, die im Zusammenhang mit Paywall-Zugängen von Interesse sein können.

Neulich las ich mal auf turi2 das Gejanke irgendeines Publizisten, die „analoge“ Ökonomie des News-Journalismus würde seinen „Bedürfnissen“ nicht gerecht. Er könne mit Holzmedien schon deshalb nichts anfangen, weil er sie nicht (leicht und gut genug) „… liken, sharen oder forwarden …“ könne. Was er damit meint ist in etwa, dass er nicht auf seinem facebook- oder twitter-account irgendwas eintragen kann wie „hey, cool feat, bro/sis’s – seeeeeee [irgendein nicht sprechender Kurzlink zu irgendeinem Artikel]“, was dann wiederum dazu führt, dass alle armseligen Geschöpfe, die mit diesem Deppen „networkend“ verknüpft und verbandelt sind, so einen dämlichen Quatsch zu sehen bekommen. Solcher Irrsinn wird in der Branche als „total tolle, immersive share economy“ seit Jahren gehyped und bejubelt als das ganz, ganz große Dings to come. Man kann *einen* solchen Armleuchter belächeln und als Depp, der er ist, abtun – ich erwähne den Typen hier nur, weil es schwerfallen wird, ein paar Milliarden solcher Deppen zu ignorieren. Und es kann mittlerweile kein vernünftiger Zweifel mehr daran bestehen, dass dieses „liken, sharen, forwarden, pushen, quoten, messagen, commenten, bashen, hypen, aggregaten, enrichen, usen, ….“ etwas ist, wozu enorme Mengen an Leuten ein „Bedürfnis“ verspüren – und es dementsprechend auch in grellen Wahnsinnsmengen tun. Man darf sich da nicht täuschen: dieses „Weitergabe“-Bedürfnis gab es schon immer – man denke etwa an die unseligen „Witz“-Faxe oder -Kopien in der Bürowelt, oder an die Neben-Notizen der Kopisten in den Schriftkulturen bis hinunter zu den entsprechenden „skandalösen“ Sprüchen auf Tonscherben. Es ist dabei auch unerheblich, dass derselbe Propagandist des „sharens“ sich *gleichzeitig* wort- und tränenreich darüber (in forwarded mails!) beklagt, dass dieser unnütze, widerliche Link-spam in seinen accounts nun aber wirklich und endgültig jedes akzeptable Maß bei weitem übersteigt. Auch das ist nichts Neues, denn auch das sich entwickelnde Bildungsbürgertum der früheren Neuzeit hat sich schon ausgiebig beklagt, dass die völlig ausufernde Briefkultur jedes verfügbare Bisschen an Denkzeit stiehlt – natürlich in den Briefkorrespondenzen an Gleichgeschädigte.

Wenn so etwas eben das ist, was echte Leute echt gerne tun, dann müßte es bei kostenpflichtigen online-Artikeln irgendwie auch gehen oder sonstige Vorteile/Rechte einbringen. Das kann man sich ja mal genauer anschauen:

  • Zumindest im EU-Raum, aber eigentlich auch vom zentralen Grundsatz des „Netzes“ aus und insofern global, ist das „Verlinken“ einer beliebigen anderen Netz-Adresse erlaubt, gewünscht und regelmäßig notwendig. Die ganz ursprüngliche *Idee* speziell des Web-Protokolls war es, durch Verknüpfungen eine (sic) „gewebte“ (bzw. sich selbst „webende“) Netzstruktur zu erschaffen, die ihrerseits Inhalte in einer informationserweiternden Form überhaupt erst zugänglich macht. Soweit, so toll. Aber was nutzt ein Link auf eine bezahlpflichtige Adresse einem Interessierten? Nichts und niemand dürfte wohl je davon ausgehen dürfen (ohne gewaltiges Drumherum, auf das noch zurückzukommen sein wird), dass irgendjemand an einer Verlinkung interessiert ist, für die zu bezahlen wäre. Eigentlich ist es im Gegenteil eher so, dass selbst eine Verlinkung auf „kostenlose“ Fremdinhalte, die entweder selber Spam sind oder massiv Spam enthalten, als höchst unzumutbar gelten (zu Recht) und mit verschiedenen Mitteln bekämpft werden (u.a. vielleicht durch sozialen Druck in Form von Beschimpfungen). Eine „share economy„, die auf geschützte, kostenpflichtige Fremdinhalte gestützt ist, dürfte unter derzeitigen „Paywall“-Bedingungen ein ziemlicher Unsinn sein – von massiver Geldverschwendung ganz zu schweigen.
  • Neben einer Verlinkung, die einen Klickenden von der gegenwärtigen Webseite wegführt zu derjenigen, auf die der Link verweist, gibt es allerdings auch noch einen zweiten Typus von „Link“. Obwohl ebenfalls nur und nichts weiter als ein Link, erscheint unter bestimmten technischen Voraussetzungen der Fremdinhalt eingebettet in der Seite, die den Link enthält. Man denke hier etwa an die beliebten Videos in einem Blogbeitrag, die sich real bei youtube befinden, jedoch angezeigt werden als wären sie im Blog enhalten. Exakt dasselbe kann man mit völlig beliebigem content tun – man könnte (theoretisch) etwa einen fremden Zeitungsartikel, ein Bild (sowieso) oder eben alle anderen Webinhalte in die „eigene“ Webseite einbetten. Das könnte so geschehen, dass der Fremdinhalt deutlich vom eigenen abgesetzt ist und auch auf die Eigenständigkeit gesondert und explizit hingewiesen wird – es könnte allerdings auch so geschehen, dass der Fremdinhalt so aussieht und sich so „verhält“, als sei es ein tatsächlicher Bestandteil der Seite. Nochmal: obwohl es nur ein simpler „Link“ in der bekannten Form im Quelltext der Seite ist. Diese letztere Art der Einbettung ist (wie beim Beispiel youtube-Video) das maximal allergewöhnlichste Anzeigeverhalten im Netz, auch wenn es eigenartig despektierlich und anrüchig klingt, wenn man es klar anspricht. Beispielsweise ist absolut jeder Werbeanteil auf jeder kommerziellen Zeitungsplattform ganz exakt solch ein eingebetteter, möglichst vom sonstigen Inhalt ununterscheidbarer „Fremd-Content„. Und es gibt auf solchen Plattformen *viel* Werbeanteil und es gibt nicht wenige (mich zum Beispiel), die schon seit geraumer Zeit der Meinung sind, es gäbe (speziell) auf Zeitungsplattformen ganz überwiegend oder im Grunde ausschließlich Werbe-Inhalte für Fremdzwecke. Aber natürlich ist der Unterschied im Gebrauch hier der, dass es teuer erkaufter und somit „rechtmäßig“ angezeigter Fremd-content ist – oder anders herum gesagt ist es das bißchen Werbegeld, das die paar eigenen Zeitungsinhalte auf der Seite gnädig als Lockmittel zur Anzeige kommen läßt. Und selbst darauf kann man sich nicht verlassen, dass es tatsächlich „eigene Zeitungsinhalte“ sind. Aber wie sieht es nun mit dem „Einbetten“ von Links auf kostenpflichtige Artikel hinter einer Paywall für Konsumenten aus? Natürlich gar nicht – so sieht es aus. Alle „geschützten“ Inhalte dürfen (und können meist auch) nicht „eingebettet“ werden in eigenen content – wohlverstanden: auch dann, wenn man sozusagen für das eigene Betrachten durchaus bezahlt hat. Trotzdem wäre dann ein „einbetten“ etwas völlig anderes, nämlich das Weiterverbreiten von geschütztem Material, welches wiederum gänzlich eigenständig (teuer) lizensiert werden muß. Mit anderen Worten: vom bezahlten online-Artikel hat man schon mal nichts mehr als eben das, was ohnehin „erlaubt“ ist – man kann auf den kostenpflichtigen Artikel fremd-verlinken und das war’s. Kein Vorteil für den Konsumenten.
  • Wie sieht es denn aus mit einem künftigen Einblick in einen Artikel, den man bezahlt hat? Die Frage stellt sich deshalb, weil es ja (theoretisch) möglich ist, einen Artikel aus einer gekauften Papierzeitung fein säuberlich auszuschneiden und in ein Poesie-Album für zukünftige Rückgriffe zu kleben. Der Gegenstand (das bedruckte Papier) gehört mir und ich kann es nach eigenen Vorstellungen verwenden. Auch wenn es gewiss nur eine sehr spezielle Anwendungsform ist für Anteile aus Zeitungen, so ist sie doch weitaus häufiger als man sich beim schnellen ersten Bedenken eingestehen mag. Ich will zwei Beispiele anführen, die den Umfang der möglichen Anwendung andeuten mögen. Meine Mutter hat über den Zeitraum von rund 60 Jahren aus dem lokalen Käseblatt (unter anderem) alles herausgeschnibbelt, was mit ihrem Kirchenchor zu tun hatte. Einerseits deshalb, weil sie immer mal wieder ein Wahlamt im Chor innehatte (Schriftführer etc.), andererseits aber hauptsächlich, weil sie echtes und starkes Interesse an dieser ihrer Sache hatte und sehr stolz auf die Erfolge war, die dieser kleine Chor über die Jahrzehnte einfuhr. Und dann gab es natürlich auch irgendwann zu Chor-Jubiläen stolze Chroniken, teilweise in teuren Druckformen, in denen exakt solche Käseblättchen-Memorabilia auch heftig verwertet wurden. Und so wie meine Mutter haben es selbstverständlich auch andere Chormitglieder gehalten. Oder andere Mütter/Väter mit turnierteilnehmenden Sprösslingen, die – wie eben der Zufall unabänderlich verfährt – es irgendwann mal zu einer Spielerin im A-Kader des DFB zu einer Weltmeisterschaft schaffen und deren gesammelte Erinnerungen dann in Spieler-Profilen von Mediatheken im Fernsehn auftauchen. Ein zweites Beispiel mag auch wegen hochgezogener Augenbrauen die Bandbreite verdeutlichen. In Käseblättchen werden alle möglichen Informationen veröffentlicht – z.B. öffentliche Anzeigen, die Geschäftseröffnungen, -änderungen, -schließungen und gelegentlich die Art der Schließung betreffen (betrügerischer Konkurs, etwa). Hinzu kommen ggf. die sonstigen Gerüchte oder Umstände um Geschäfte und Geschäftsleute, die über die Jahre als Artikel im Blatt stehen. Auskunfteien aller Arten und Sorten haben seit jeher solche Nachrichten gesammelt, katalogisiert und archiviert und als Serviceleistung gegen happige Gebühr vermarktet (manche davon als zwar eigenständiger Betrieb, aber im Besitz der Verleger – oder aber direkt als Verlagsauskunftei). Es ist also überhaupt nicht abwegig danach zu fragen, wie es denn (zumindest mal für private Konsumenten) mit künftigen Zugriffsmöglichkeiten auf schon bezahlte Artikel steht (ok, die 60 Jahre wie bei meiner Mutter sind vielleicht zu extrem, aber sagen wir mal für einen Zeithorizont von 10 bis 20 Jahren). Die Antwort darauf ist nicht konsistent zu leisten – was schon mal der erste Totalschaden ist. Es gibt Zeitungen/Verlage, die über ein Personen-Login (bedenken: die üblichen Sicherheitsprobleme) eine Datenbank führen über erworbene Artikel und zumindest für einen gewissen Zeitraum, manchmal aber auch „auf Dauer“ den Artikel nach einmaligem Kauf zugänglich halten. Im Regelfall wird man feststellen, dass solche Dienstleistungen mit einem heftigen Preis versehen sind. Viele andere gewähren nur dasjenige, was in Paywall-Zusammenhängen den Normalfall darstellt: für die zu entrichtende Summe bekommt man eine eingeschränkte, nicht-exklusive, zeitlich befristete und rechtlich stark begrenzte Lizenz zum Betrachten des Artikels in einem eng begrenzten technischen Kontext. Wer mehr wissen möchte über das Kleingedruckte, möge sich die Lizenzbestimmungen bei einem Paywall-Blatt seiner Wahl ausgiebig betrachten. An dieser Stelle reicht es wohl aus darauf hinzuweisen, dass regelmäßig sowohl „Copy&Paste“, direktes oder indirektes Speichern der Inhalte auf egal welchen anderen Medien als dem Zeitungsserver selbst und sogar das Papierausdrucken ausdrücklich untersagt sind. Vom „gewerblichen“ und sogar dem „privaten“ Inverkehrbringen solcher Inhalte mal ganz abgesehen – die erfordern sowieso eine eigenständige Lizenz. Für die stolze Buchchronik des 100-jährigen Jubiläums des Kirchenchors meiner Mutter (das sie leider nicht mehr erleben konnte) in Buchform dürften solche massiven Rechtebeschneidungen zwar kein großes Problem darstellen (nötigenfalls hätte man auf bürgerlicher Ebene sicher einen guten Draht zum Verleger und könnte zusätzlich noch massiv Verlagsgeld für Werbung im Buch herausschlagen… und das ist natürlich nicht fiktiv ;-) ), aber einen guten Eindruck von Paywall-Systemen machen solche Beschränkungen auch nicht.
  • Nur der Vollständigkeit halber könnte man sich die Frage stellen, ob man für einen bezahlten Artikel hinter einer Paywall mehr „Rechte“ erwirbt als im Falle sonstiger (beliebiger) Texte. Ob man etwa mehr Sätze zitieren darf als in Fällen, in denen keine explizite Zahlung zu leisten war. Oder ob man vielleicht das Recht erwirbt, Teile des Textes ohne Kennzeichnung als Zitat (oder nur sehr ungefähr) in eigene Inhalte einzubauen. Die Antwort darauf ist einfach und basiert noch nicht einmal auf irgendwelchen individuellen, dafür doppelt dubiosen „Lizenzvereinbarungen“ irgendwelcher Rechteinhaber. Es gelten die Regeln des Urheberrechts und sie sind im Groben in allen entwickelten Gesellschaften ziemlich gleichartig: „man“ darf dergleichen selbstverständlich nicht. Zitate müssen immer mindestens so ausführlich gekennzeichnet sein, dass der tatsächliche Urheber klar identifizierbar ist. Zitate müssen vom sonstigen Text abgesetzt und unterscheidbar sein (oder bei indirekter Zitation muß eindeutig die fremde Herkunft im Zusammenhang erkennbar sein). Der „eigene“ Text muß einen eigenständigen Zweck verfolgen und eine gewisse Qualität aufweisen (die sogenannte „Schöpfungshöhe“, die allerdings im Allgemeinen kein Problem darstellen kann – es sei denn, man will partout keine eigenständige Schriftleistung erbringen). Zitate dürfen nicht den Kerninhalt ausmachen und im allgemeinen sollten (mit Bandbreite) in einem bestimmten Sachzusammenhang nur „wenige“ Zitatinhalte verwendet werden (beispielsweise formuliert die Süddeutsche Zeitung in ihren Regeln zur zitatlichen Übernahme aus ihren Inhalten, dass maximal drei Sätze aus einem Artikel verwendet werden sollten). *Normalerweise* wäre mit der Befolgung solcher allgemein gültigen Regeln schon ein erstaunlich großer Teil dessen, was man auf Webseiten etlicher Trittbrettfahrer-Aggregatoren findet (inklusive den ich-hab-was-ganz-tolles-gefunden-Postings von Privatleuten), schlicht nicht möglich – das gute alte Netz wäre deutlich entlastet von überflüssigem content. Aber eins der vielen Probleme im #neuland(**2**) ist es nun einmal, dass jede Menge Leute und dann noch deren Tante keinerlei Bewußtsein für solche in Jahrhunderten von Druck- und kommerzieller Verbreitungskultur geschaffenen Regelzusammenhängen haben. Was an sich verwundert, weil alle diese Regeln selbstverständlich schon lange vor jeder #neuland-Diskussion bestanden. Ganz besonders ulkig im Zusammenhang ist natürlich, dass ausgerechnet Journalisten und diese ganz im Besonderen sich mit mangelhafter Zitation oder radikalem Mißbrauch derselben nicht nur hervortun, sondern sich sogar noch mit der Mißachtung brüsten. Sie ziehen nach wie vor Anzeichen ihrer großen Wichtigkeit aus der Notwendigkeit des „Quellenschutzes“, den sie allerdings permanent pervertieren mit solchem Quatsch wie dem berufen auf „gewöhnlich gut unterrichtete Kreise“, die irgendwelchen erfundenen Privatmeinungsunfug des Journalisten angeblich stützen. Gesellschaftlich gesehen muß man die Zukunft des textuellen Erlebens im Netz weit mehr als bisher zu Verhaltensregeln entwickeln, die sozusagen als „natürlich“ empfunden werden – was von vielen Stimmen geäußert als unbedingte Forderung nach mehr Medienkompetenz-Vermittlung schon seit Jahrzehnten im Raum steht, umfaßt unter anderem auch solche Selbstverständlichkeiten wie ordentliches Zitieren fremder Inhalte oder den Verzicht auf ungebührliche Äußerungen gegenüber anderen (Merksatz: wenn ich jemandem im Supermarkt dafür auf’s Maul schlagen würde, wenn er das zu mir sagen würde was ich hier in diesem Kommentar verzapfe, dann bin ich nicht komplett in der richtigen Spur).

Einzel-Artikelankäufe bei PayWall-Systemen sind also nicht nur ganz allgemein weit überteuert, man kriegt noch nicht mal ein Bonbon dafür.

 3. Man kann keine Zeitung mehr kaufen.

Dieser Zwischentitel ist selbstverständlich blanker Unsinn. Mehr noch, es ist tendenziöser, bösartiger, gemeiner, blanker Unsinn. Zumindest dann, wenn da nicht doch irgendwo irgendwie etwas „dran“ wäre an der Lüge.

Bevor ich hier daran gehe zu erklären, wie ich überhaupt auf so eine blödsinnige Zwischenüberschrift komme, möchte ich unbedingt so etwas wie „meine“ echte Meinung äußern hinsichtlich der Verfügbarkeiten heutiger und in gewisser Hinsicht auch künftiger Zeitungen/Zeitschriften/Druckwerke. Selbstverständlich ist die Ware „print-Produkte“ ein bestens eingeführtes Handels- und Produktionssegment. Zehntausende von hochqualifizierten Beschäftigten in Dutzenden von Fachtätigkeiten schaffen hoch produktiv die materiellen Grundlagen, zehntausende von „Info-Arbeitern“ (das habe ich von dem Neologismus „Sexarbeiter“ geklaut, der in LGBT-Kreisen anscheinend diskriminierungsfrei anscheinend den Begriff „Prostituierte/r“ ersetzt) befüllen die produzierten Seiten mit vollkommen beliebigen Inhalten, tausende von Kleinbetrieben und immer noch anderthalb Dutzend Großverleger und/oder ihre Witwen (und noch weitere anderthalb, die nur noch immer daran glauben, sie gehörten noch dazu) verteilen und verbreiten den ganzen unendlichen Schmarrn bis in die hintersten Winkel der Welt und es gibt nach wie vor und sicher auch in aller Zukunft Millionen von echten Leuten, die den Papiermüll gewissenhaft dem Recycling zuführen und für diese Tätigkeit bereitwillig und gerne und dankbar echtes Geld ausgeben. Damit der letzte Teil nicht als Boshaftigkeit fehlinterpretiert wird: mit „Recycling“ ist hier *wesentlich* gemeint, dass der Inhalt der bunten Seiten in den Köpfen der Käufer bedacht, gedanklich gewälzt und repetiert und schlussendlich auch häufig wieder entäußert wird in allen möglichen kommunikativen Akten. Nichts an diesem ganzen Gewese ist im Prinzip „schlecht“ und vieles daran ist sogar zweifelsohne „gut“ und deshalb gehe ich ohne jedes Wenn und Aber auch davon aus, dass es diese geschäftlichen Aktivitäten auch in fernster Zukunft noch in irgendeiner Form geben wird. Zum Beispiel wird es wohl sicherlich auch weiterhin in allen möglichen Lasterhöhlen wie Cafés, grundständigen Wirtschaften, Flugzeugen, Bahnwaggons, WilliWichtig-Büros, Amtsstuben, Ärzte-Wartezimmern, Friseurstuben, Büchereien und gottweißwo sonst abonnierte Ausgaben von diversen Zeitungen und Zeitschriften zur gefälligen Auslage geben – warum auch nicht? Wenn das dazu dienen kann, dass auch dadurch ein paar Leuten soviel mehr an Geld aus der Tasche gelockt werden kann, dass sich das Abo auch lohnt, dann ist das Abo auch weiterhin sicher und gedeckt. Selbst in so winzigen Erd-Fleckchen wie dieser schönen Republik machen solche Formen der Distribution schon leicht Hunderttausender-Auflagen aus, in volkreicheren und nicht aussterbenden Gesellschaften selbstredend Millionen- und Multimillionen-Auflagen. Mit diesen Fleischpfunden können die Info-Fabrikanten (oder ihre Witwen) auch weiterhin wuchern und anständige Renditen ergaune…, äh erwirtschaften (d.h.: natürlich nicht die normalen Renditen für Kleinkroppzeugbürger, sondern echte Renditen, wie sie ihnen auch zustehen). Alles ist gut und bleibt auch gut im Taka-Tuka-Land der Irgendwas-mit-Medien-Leute.

Nachdem diese notwendige Ehrenerklärung zugunsten der blühenden Landschaften des Druckpressewesens nachdrücklich abgegeben ist, kann ich wieder zurückkommen auf die Frage, ob ein beliebiger Normalkonsument eigentlich noch eine Zeitung kaufen kann.

Dabei geht es um zwei Arten von „kann“: dem praktischen Können im Sinne von „in irgendeinem Geschäft aus dem Impuls heraus etwas kaufen“ und einem werturteilenden „können“ im Sinne von „ist der Kaufartikel als Angebot so gestaltet, dass er die Ausgabe auch rechtfertigt“. Im Prinzip lautet die Antwort auf beide Arten des „kann“ natürlich: jaklar, kann er/sie/es. Aber ganz so leicht und unbeschwert ist das nicht – schon lange nicht mehr.

  • Damit es zum Kauf überhaupt kommen kann, braucht es ganz banal und selbstverständlich eine Verfügbarkeit der Ware. Die muß sowohl von der Produzenten- und Distribuentenseite aus als auch von der Konsumentenseite her eingepaßt sein in angemessen Mach- und Leistbares. Die Distributoren können vielleicht ein Zuliefersystem für Abonnenten organisieren und betriebswirtschaftlich irgendwie am Laufen halten (zu der Abo-Problematik aus Konsumentensicht siehe oben), aber es wird schwerlich möglich sein, flächendeckend über die Republik ein 24/7-System an Direktverkäufern zu unterhalten (was „ganz früher“, also vor 60 bis 150 Jahren, durchaus noch ging und in bestimmten Großstadtarealen selbst „heute“ noch in gewissem Ausmaß möglich ist). Und das Kaufgebaren der Konsumenten wiederum ist immer eine Sache, die von verschiedenen Faktoren beeinflußt wird – etwa der als angemessen empfundenen Zeit, die dafür aufzuwenden ist, der Lokalität (städtisch / vorstädtisch / dörflich zentral / dörflich dezentral / ländlich…) oder der allgemeinen Organisation eines Haushalts (Kleineinkäufe in kurzen Abständen lokal, Großeinkäufe im Rhythmus überlokal etc.). Um an print-Produkte heranzukommen als Direktkäufer braucht es Verkaufspunkte, die möglichst optimal in Einkaufsströme und/oder Gelegenheitsfälle eingepaßt sind. Und: um als point of sale überhaupt qualifiziert zu sein, muß das Segment beim Verkäufer mehr als bestenfalls marginal ausgelegt sein – das ist beispielsweise nicht der Fall beim lokalen Bäcker (vor allem Richtung Wochenende), bei dem als Serviceleistung neben dem Hauptzweck „Brötchen“ auch noch ein Boulevardblatt (meist Bild) und evtl. noch eine Lokalzeitung beiläufig eingesackt werden können. So ein Angebot kann noch nicht mal als „eingeschränktes Sortiment“ durchgehen. Genau das aber ist für eine seit gut 30 Jahren immer weiter und weiter anwachsende Anzahl von Einkäufern eine reale Erfahrungstatsache – denn die Umleitung der Käuferströme von den „Wir haben nahezu alles“-Supermärkten zu den expliziten „Discountern“ (Aldi, Lidl, Netto…..) hat in diesem Zeitraum etwa stattgefunden und es sieht auch nicht danach aus, als würde sich an dieser Ausrichtung irgendwas ändern (die „draussen auf der grünen Wiese“-Problematik im Zusammenhang lasse ich hier mal weg). Selbst wenn so ein Discounter eine Stellage mit print-Produkten betreibt (was lange Zeit überhaupt nicht der Fall war und nur langsam in den letzten 15, 20 Jahren als Sortimentsbereicherung deshalb eingeführt wurde, um weitere Doppeleinkäufer bei Groß-Supermarkt und Discounter noch mehr nur an den Discounter zu binden), handelt es sich beim Angebot beinahe immer nur um marktgängigste Produkte – mithin und passend zur Discounter-Strategie um ein (mehr oder weniger) massiv eingeschränktes Sortiment. Man kann ohne sehr genauen Datenzugriff auf Titel und Frequenzen über Regionen und Zeiträume keine sicheren Angaben machen, aber ich halte die Behauptung für möglich und keinesfalls aus der Luft gegriffen, dass die überwiegende Anzahl der Discounter noch nicht einmal die „großen“ überregionalen Blätter (alle) im Angebot hat. Es ist – wenn überhaupt – immer nur eine Auswahl geboten. Die stammt aus einer Ladenlokal-Analyse des jeweiligen Marktleiters unter Zuhilfenahme der Analyse-Tools des jeweiligen Sortimenters und entsprechender Beratung der Zentralteams über irgendeinen Zeitraum kurz nach Sortimentsanreicherung mit der „print-Stellage“. Eventuell wurde bei den Erstbeschickungen auch schon direkt die Datenlage der Region als Grundlage der Beschickung angewandt, ansonsten wurde eben nach einem gewissen Zeitraum eine Eingrenzung auf diejenigen Produkte vorgenommen, die eine klare Nachfrage aufwiesen. Und das war’s dann für ein breites Angebot an verschiedenen Zeitungen. Wessen „Stamm-Einkaufsladen“ ein „Discounter“ ist (sein muss…), der muß sich für den Direktbezug von Nicht-Massenblättern auf jeden Fall gesondert auf die Socken machen – und tut es immer öfter nicht mehr (das ist auch nur eine Behauptung, aber es dürfte ebenfalls eine stimmige sein). Und selbst die „traditionellen Kioske“ (was immer das je Region auch immer sein mag – also etwa auch Tankstellen auf dem flachen Land) springen nach meinen persönlichen Erlebnissen in den letzten 10+ Jahren immer mehr auf den Einschränkungszug auf. Das ist insofern etwas „Neues“, weil ein „Kiosk“ traditionell eben unabhängig von den tatsächlich verkauften Titeln nur dann ein „Kiosk“ war, wenn eben die ganze Latte an Titeln auslag. Den Kiosk-Betreibern ist das natürlich und nachvollziehbar auch schon vor fuffzich Jahren auf den Geist gegangen, dass ihr Job unter anderem neben dem Auspacken und Auslegen des ganzen Zeugs auch immer das Einsammeln und Einpacken der Remittenden war – aber man hat es eben gemacht, weil es sich für einen Zeitungskiosk eben so gehörte. Aber heute anscheinend nicht mehr. Das ist die eine Seite des „kann“: für durchaus erhebliche Käufermengen gibt es wenn überhaupt nur noch ein (stark) eingeschränktes Sortiment oder gar ohne entsprechenden Zusatzaufwand im Einkaufsverhalten gar keine direkte Erwerbsmöglichkeit mehr. Und die gegenständliche Nichtverfügbarkeit der Ware nimmt zu, auch als ganz allgemeine Tendenz zu zentralisierten Malls, Franchise-Ketten und Aufgabe von unrentablen Kleingeschäften außerhalb der Kaufzonen.
  • Die andere Seite des „kann“ – das „sollte man überhaupt“ – ist etwas komplizierter zu erfassen und hat viel mit anderen medialen Umständen zu tun. Ich will dazu zwei Beispiele liefern, die die Angelegenheit eingrenzen mögen. Wenn man heute eine BluRay kauft, flattert einem häufig ein Zettel mit einer Webadresse und einem „Zugangscode“ entgegen. Der soll dazu dienen, sich den Film auch im Netz „runterladen“ oder per „streaming“ ansehen zu können. Dieses Recht kann man natürlich auch gesondert und ohne Medienträger bekommen. Der Sinn dieses „Zusatzangebots“ soll anscheinend darin liegen, nicht völlig von dem Medium „BluRay“ (DVD…) und den zugehörigen Abspielgeräten abhängig zu sein. Stattdessen kann man sich das tatsächlich gewünschte Produkt „Film“ auch auf dem Tablet, „Smart“phone, Blechdepp, „Home-Medienserver“ oder sonstwie anschauen. Über diesen Sinn und Zweck kann man sich unendlich lange einigungslos „streiten“ wenn man mag (ähnlich der Frage, warum man sich überhaupt netzüberlastende, qualitativ grottigstmögliche „youtube“-Videos anschauen sollte, wenn man gigantische Entertainment-Sets neben sich im Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Küche und Bad aufgestapelt hat – aber das scheint auch irgendwie keiner Klärung zuführbar zu sein, zumindest solange nicht, bis die oben schon mal angesprochene Medienkompetenz im #neuland gewonnen sein wird). Tatsache ist aber nun mal, dass hier ein Stück Plastik zusammen mit einem zusätzlichen „Feature“ verkauft wird, der mit dem Ding selbst nicht in Verbindung steht. Zweites Beispiel: man geht „brunchen“ oder nur frühstücken oder sonstwas und liest neben der Auswärts-Fresserei eine oder mehrere Zeitungen, die man auf dem Weg zum Fresstempel eingekauft hat (wir lassen hier mal weg, dass etliche Fresstempel zu diesem Zweck Abo-Exemplare ausliegen haben – zum Beispiel deswegen, weil man schon weiß, dass die FAZ-Exemplare dort entweder nicht erreichbar sind, weil sie permanent von anderen abgegriffen werden, oder weil sie immer so unordentlich, falsch zusammengelegt und zerknittert sind und Auge, Haptik und Ordnungssinn, alternativ die Zwangsstörung, mitliest). Nach erfolgter Befüllung mit wasauchimmer kann man die Papierstapel natürlich mit nach Hause nehmen, denn man hat sie ehrlich erworben und sie können sicher auch genauer ausge- und verwertet werden. Das muß man auch tun, wenn man irgendwas nochmal in Ruhe nachlesen will oder aufbewahren oder überhaupt erst noch lesen muß, weil man im Fresstempel nicht dazu kam. Läßt man die Papiermassen hinter sich zurück, ist der Zugang verloren – es sei denn, man kauft sich dasselbe Ding später nochmal, evtl. als Online-Artikel. Es geht also hier um im Grunde das gleiche Problem wie oben im Abschnitt „Abo“ und „Online-Artikel“ schon angesprochen: ich habe mir einen Artikel gekauft und möchte ihn langfristig oder innerhalb eines anderen medialen Kontext verwerten – und es geht nicht. Ich *kann* sehr wohl im Gegensatz zum Online-Artikel das Ding „Papierstapel“ mit einiger Sicherheit im Besitz behalten und alle möglichen Archivierungsfunktionen daraufhin anwenden – ich kann „wichtige“ Inhalte ausschnibbeln und einkleben, einscannen/-fotografieren und indexiert in eine Datenbank einpflegen oder sonstwas damit tun. Aber gegenüber dem Herausgeber gewinne ich hinsichtlich dieser gekauften Ausgabe einer Zeitung keinerlei zusätzliche Rechte – ich kann z.B. nicht auf die Webseite der Zeitung segeln (drei Jahre später) und den Artikel hinter einer Paywall aufrufen mit der Angabe eines „Codes“, den ich damals beim Kauf des print-Produktes miterworben hätte (beispielsweise in Form eines QR-Codes, den ich auf einem „Smart“phone gespeichert habe). Zeitungen/Zeitschriften als print-Produkte gewähren außer in einzelnen Fällen keine Medienübergänge als standardisierte Eigenschaft. Ich sag‘ es hier und jetzt und als rein persönliche Meinung: so ein Produkt kann man vergessen, ich werde so eine Begrenzung im Umfeld der ausentwickelten Netzlandschaft auf Dauer nicht akzeptieren. Punkt. (Kleiner Neben-rant: noch schlimmer ist es natürlich bei den Büchern! Ich kauf‘ mir irgendeine Schwarte unter der komplett irren Bedingung der sog. „Buchpreisbindung“ für einen Preis completely out of this world und was ist? *Natürlich* kann ich den Papierhaufen nach dem Überfliegen nicht wegschmeißen und – bei Gefallen oder Vermutung zukünftiger Bezugsnotwendigkeit – eine eBook-Fassung in meine Sammlung runterladen – *nein*, ich muß mir wiederum ein „buchpreisgebundenes“ eBook für Mondpreise *zusätzlich* kaufen. Wenn das nicht dreifach irre ist, dann weiß ich auch nicht mehr…..)

Da sind sie also, die beiden Gründe, warum man durchaus der Meinung sein kann, man „könne“ als Konsument im Jahre 2000aufwärts durchaus in Schwierigkeiten kommen, auf direktem Wege ein print-Produkt zu erwerben. Einmal „sachlich“ und einmal „prinzipiell“ – und von Beidem sind durchaus erhebliche Käuferzahlen betroffen.

4. Man muss alle Zeitungs-/Zeitschrifteninhalte im Netz finden können.

Das ist eine einfache und brutale Wahrheit: wenn die Inhalte nicht netzverfügbar sind, existieren sie nicht. Sie sind ohne Verfügbarkeit „online“ nur noch für Fachzirkel und Outsider in Gespensterdiskussionen relevant. Auch dazu gab es schon einen Blogartikel, der sich damit beschäftigte, was die Zeitungslandschaft „besser“ machen kann, um auch auf Dauer öffentliche Relevanz und – wichtiger! – auf individueller Ebene Bedeutung zu behalten.

Man wird auch wohl keinen einzigen Journalisten, keinen Redakteur, keinen Verleger und keinen Irgendwas-mit-Medien-Menschen finden, der diese Tatsache in prinzipieller Hinsicht leugnet (man wird derzeit und vielleicht künftighin verstärkt den einen oder anderen Hipster finden, der neben seine Schellack-Schallplattensammlung, abspielbar mit einem beinahe originalen Grammophon made in China, und neben seine umfangreiche Musikkassetten-Sammlung auch noch Blätterstapel des total innovativen „Journal des Luxus und der Moden“ aufschichtet, gedruckt auf ungebleichtem, chlor- und glutenfreien Flachspapier und gemäß Fake-Angaben in echtem Bleiguss-Verfahren handgesetzt – und diese Szene ist, so lächerlich es auch ist, etwas „Gutes“, zumindest sollte man sie so begreifen. Da solche Typen überhaupt keine Einflüsse auf die tatsächlichen Güterströme haben – die sie selbst ja ebenfalls in Besitz und Benutzung haben! -, bedeuten solche Spinnereien einfach nur, dass sich irgendwelche Entrepeneure auf lustige Weise zusätzlich ein Stückchen Kuchen einfahren können und Zusatzumsatz ist immer guter Umsatz. Ähnlich muss man übrigens auch alle anderen Moden und „Alternativtrends“ sehen, im Besonderen die ideologisch und „moralisch“ Aufgeladenen wie „Veganismus“ oder „Fairtrade“ oder dergleichen – solche Moden fangen gesichert vermeintliche „Abweichler“ im allgemeinen Konsumismus-Netz ein mit zusätzlichem Umsatz und Profit). Es hat sich für die professionelle Szene nur noch kein gangbarer Weg aufgetan, wie man mit Netzinhalten zu zweistelligen Profitraten auf der Verlegerebene und zu gesichertem materiellen Wohlstand und gesicherter Beibehaltung der persönlichen Bedeutsamkeit auf der Journalisten-Ebene gelangen kann. Die fetten Bezüge fahren mit Netzinhalten derzeit immer nur Dritte ein – vor allem die Scumbags der Medienkultur in Form von Werbe-Agenturen.

Wie kann man den Kram (künftig) verkaufen?

Vielleicht gar nicht mehr in der klassischen Form des goldenen print-Zeitalters. Vielleicht für klassischen Qualitätsjournalismus nur noch als Hochpreis-Produkt in unbedeutenden Nischenmärkten und der große Rest als Werbeware wie bei den werbefinanzierten „Privatsendern“. Vielleicht in Formen, die derzeit noch gar nicht auf dem Radar sind. Vielleicht geht ja sogar der Plan der Verleger auf, durch massive Kontrollrechte und Lizensierungsmodelle die Inhalte sowohl als print als auch als minderwertiges Online-Produkt mit gutem Geschäftserfolg verwerten zu können. Wer weiß und als Konsument gefragt: was soll’s? Meine „Bedürfnisse“ werd‘ ich schon irgendwie befriedigt bekommen und wenn die Zeitungsbranche mir nichts anbietet, dann findet sich schon was anderes.

Aber wenn… ja, *wenn* die Zukunft ein bißchen so funktionieren soll, wie die Vergangenheit war (abzüglich der üblichen Verklärung) und Zeitungen/Zeitschriften für mich als Konsument die Eigenschaften behalten sollen, die sie für mich, meine VätersVäter&Mütter und den sonstigen Erdenkreis mal hatten, dann….

… müßte man sich mal Gedanken machen, wie so etwas vonstatten gehen könnte. Und die Hauptsache dabei wäre, daß ich als Konsument und/oder Bürger dabei nicht über den Tisch gezogen werde. Das ist meine ehrliche Überzeugung: wenn mich die Verlegerseite weiterhin bescheißt, dann *werden* sie mir den Buckel runterrutschen können. Ich werde zum Beispiel *nicht* akzeptieren, wenn die Bescheißer sich über ihre Lobby-Gruppen noch mehr staatliche Subventionen aneignen, noch weitere schlechte Gesetze durch die Parlamente lancieren oder sonstwelche unzulässigen Vorteile aus dem Gemeingut verschaffen. Wenn die Verlegerseite das versucht (und das tut sie!), dann werden die Bürger sowohl die unterstützenden Parteien als auch die Verleger auf Dauer abstrafen. Ich kann hier nur warnen vor solchem Tun.

Aber Geld verdienen muß die Branche unter Netzbedingungen eben auch – das wird kein vernünftiger Mensch abstreiten. Wie könnte das gelingen? Als völlig unbefangener Privatmann und ohne jede Beteiligung an dem ganzen Multi-Milliarden-Kuchen würde ich folgendes vorschlagen.

  • Eigenständigkeit bewahren (keine Unterordnung zu Hülldiensten im Netz)
  • Eine Gesellschaft gründen zur Netz-Verwertung (z.B. über die existierende Verwertungsgesellschaft der Verleger), wahrscheinlich am besten entlang der „Sprachgrenze“
  • Diese Gesellschaft mit einem fetten, dicken Rechenzentrum und gutem Personal ausstatten
  • Gute Software kaufen/entwickeln/anpassen, mit denen man Aberbillionen von Datensätzen verwalten kann
  • Beste und sicherste handshaking-Verfahren kaufen/entwickeln/anpassen für den Dialogbetrieb mit allen beteiligten Parteien und den Konsumenten
  • Alle Inhalte aller Verlage über diese Gesellschaft zugänglich machen
  • Kunden aufnehmen und verwalten unter Berücksichtigung aller möglichen und unmöglichen Gadgets mit höchstem Komfort und höchster Sicherheit – auf Lebenszeit des Kunden, kostenfrei für den Konsumenten
  • Inhalte freischalten für den Kunden zu *vernünftigen* Konditionen
    • ernstzunehmende Preise für den Konsumenten (also etwa 0 bis 5 Cent für einen Zeitungsartikel)
    • bequeme, komfortable monatliche, vierteljährliche… Abrechnung mit allen Parteien
    • Freischaltungszeiträume orientieren an „lebenslang“, andere Modelle nur als begründete Ausnahme
    • gesamte Verwaltung muß völlig opak, schnell und äußerst zuverlässig sein (und zum dritten Mal: Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit)
  • die Konsumenten zur Teilnahme am Verwaltungssystem motivieren (d.h.: nicht bespammen sondern überzeugen, anleiten, fördern…)
  • Profitieren. Viel profitieren.

Die Idee wäre also kurz gefaßt die, dass es durchaus eine „Paywall“ für alles gibt, aber eine

  1. funktionierende,
  2. unmerkliche (hauptsächlich durch wenig spürbare Kleinstbeträge im ersten Zugriffsfall) und
  3. vom Konsumenten auch gesellschaftlich akzeptierte und unterstützte.

Einzelzugriffen von Nichtkunden (von „außen“ z.B.) könnten auf verschiedene Weisen behandelt werden – z.B. wie gehabt „hochpreisig“ und als Einzelfall oder mit Optionen zur Einbindung als Kunden (das hinge von der Identifikationsmöglichkeit und den Rechtsdurchsetzungsmöglichkeiten am Herkunftsorts ab). Es wären sehr wohl „Missbräuche“ möglich (einer „opfert“ eine kleine Summe und stellt die gewonnenen Inhalte irgendwo öffentlich zugänglich ab) – aber die Idee basiert auf der Überlegung, dass jeder Missbrauch schlechter, komplizierter zugänglich und qualitativ unzulänglicher ist als das „Original“ (z.B. durch Zusatzfunktionen wie user generated content in Form von Ergänzungen, Kommentaren etc.). Im übrigen unterscheidet sich die Missbrauchsmöglichkeit dieses Systems nicht von denen, die ohnehin gegeben sind – und es wäre trotzdem ein erheblicher Gewinn an Sicherheit und auch an Verfolgungsfähigkeit gegeben, schon alleine durch kumulierte Kompetenz. Bezahlt die Rechenknechte gut und kehrt als Journalisten zurück zu eurem eigenen Kompetenzbereich und es wird sich auswirken.

Das würde ich versuchen und nichts davon ist exotisch oder nicht machbar.


(**1**) – Ergänzung aus Ende 2016: In einer zufällig entstandenen Auseinandersetzung mit einem Herausgeber eines Lokalblattes mußte ich feststellen, dass das Wort „signifikant“ im Zusammenhang schlecht gewählt und mißverständlich war. Im gegebenen Zusammenhang meinte ich, es sei ausreichend klar, dass hier „Signifikanz“ im umgangssprachlichen Sinne gemeint war – also etwas überaus Deutliches. Man kann, wenn man es denn unbedingt will, hier „signifikant“ auch als eine sehr kleine Größe verstehen, die aber vom normalen Fall unterscheidbar ist. Im gegebenen Zusammenhang bedeutet dieses Mißverständnis, dass die Produzentenseite einen Preisnachlass eines Online-Abos von 10 bis 30% gegenüber einem regulären Print-Abo als einen überaus „signifikanten“ Nachlass betrachtet, eigentlich eher sogar als einen „ruinösen“. Ich hingegen habe den Begriff hier umgangssprachlich verwandt als Symbol für den radikalen Bruch, den ich für erforderlich halte – ich meinte also die erforderliche Reduzierung des Abo-Preises um eine oder zwei Größenordnungen. Klar formuliert hieße dies: statt 40 Euro im Monat 4 Euro oder besser 40 Cent. An dieser Stelle bekommt ein Verleger/Herausgeber verständlicherweise einen Kreislaufkollaps und muß nach Reanimation erstmal drei Monate zur Rekonvaleszenz in ein Luxusressort an der Riviera. Aber genau darum geht es bei „Paradigmenwechseln“ im Technologiebereich – alles dreht sich dabei immer um Wechsel der Größenordnungen und nicht um Nachkommastellen. Man kann im Zusammenhang die Sache auch wie folgt verdeutlichen: Die paar „lousy pennies“, die ein Verleger pro Einzelbesucher pro Monat aus Werbegeld auf der Plattformseite der Zeitung generieren kann (wenn er alle möglichen widerlichen Praktiken anwendet), entsprechen ungefähr demjenigen Maß eines Online-Abo-Preises, der verlangt werden *dürfte*. Und das wären für 99% aller deutschsprachigen Zeitungen / Zeitschriften mit Sicherheit weniger als 40 Cent im Monat. Das zu begreifen ist die ungeheuer große Hürde, vor der die Verlegerseite steht.

(**2**) – Wenn Frau Merkels kurzer Satz „Das Internet ist für uns alle Neuland“ aus dem Jahr 2013, geäußert anläßlich eines Staatsbesuchs des US-Präsidenten in Dtschl. und ausgerichtet auf die immer weiter ausufernden Netzüberwachungs- und -auswertepraktiken speziell US-amerikanischer Dienste, die in den Jahren vor dem Besuch auch Deutschland als Ziel der Bespitzelung massiv betraf/betrifft und eine Art mediales Dauer-Aufregerthema bildete, an dieser Stelle angesprochen wird, dann möchte ich eine kurze Anmerkung hinzusetzen. Der verlinkte Spiegelbeitrag, der wohl kurz nach dem Satz geschrieben wurde, stellt vor allem auf die öffentliche Reaktion direkt nach Bekanntwerden des Satzes ab. Und die war hämisch, kritisch-abfällig und verhöhnend – diejenigen, die sich auf Twitter, Blogs, Zeitungsbeiträgen auf die Schnelle äußerten, machten sich aus meiner Erinnerung alle duchweg lustig über die „tumbe, unmoderne Kanzlerin eines Hochtechnologie-Landes“ und schlugen sich selbst alle belobigend auf die Schulter, weil sie als Kritiker dieser Dummheit natürlich mit allen modernen Netztechniken bestens vertraut sind, sozusagen darin geboren. Ich selbst kam mir dazu im Gegensatz ziemlich einsam vor, weil ich, als ich den Satz in den Nachrichten erstmals hörte, tatsächlich bestätigend nickte und zu mir sagte, dass die Kanzlerin (unabhängig vom konkreten Anlass) einmal mehr einen sehr wahren und sehr richtigen Satz mit durchaus bedenklicher Tiefe kurz und prägnant gefaßt hatte. Denn dieser Ansicht war und bin ich nach persönlicher langjähriger Arbeit an, in und mit IT-Systemen und -Netzen (und als ich „anfing“ in den späten 70ern war die Technologie auch schon gut 30 Jahre „alt“ und ubiquitär verbreitet als Mainframe-Technologie). Trotzdem empfinde ich in jedem Fall „das Netz“, aber auch die Technologiebasis selbst, als immer noch fest in den allerersten Anfängen steckend. Was die Informationstechnologie im globalen Maßstab für jeden Einzelnen und für die Gesellschaften, die ihr, sie nutzend, ausgeliefert und unterworfen sind, tatsächlich bedeutet und bewirkt/bewirken wird, ist immer noch nicht ansatzweise bekannt, geschweige denn abschätzbar. Ganz und vor allem denjenigen nicht, die kübelweise Häme über diesen Satz in die Netze gegossen haben.

Advertisements
Blättertod 7 – Was könnte helf… äh, verkaufbar sein?

Kommentare (derzeit ohne besondere Anmeldung möglich)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s