Eindrücke von „damals“ – e-Reader (wo geht’s lank, Peter Punk?)

Hinweise zum Folgenden

Ende 2000 war es in einem unwichtigen news forum ein Thema, wie sich unter den sich abzeichnenden „Netzbedingungen“ das Buch als Ware und Gegenstand wohl entwickeln könnte. Aus der Perspektive eines Konsumenten habe ich einige Beiträge hierzu geschrieben, die in einer Art „essayistischem“ Zusammenhang zueinander stehen. Ich habe dabei ein paar „Kunstwörter“ verwandt, die es zu dem Zeitpunkt allgemein definiert noch nicht gab bzw. die unüblich waren – im besonderen das Kunstwort „e-Reader„. Damit war nicht der heute (2014) üblich gewordene Begriff „e-Book-Reader“ gemeint, sondern ein „Irgendwas, das Inhalte zeigen kann“ – z.B. ein Browser, der Acobat-Reader für pdf, ein Computer, ein Display… kurz: irgendein Gerät oder eine Software mit bestimmten Fähigkeiten und Zielen. Wie sich in der Rückschau aus 2014 zeigt, wurde in der Abschätzung hauptsächlich das sich 2000 noch sehr nebulös abzeichnende „Smartphone“ angesprochen. Das war insofern nicht falsch oder daneben, weil die zeitliche Abschätzung der Vermutung sich auf einen Zeitraum bis ungefähr 2005/6 erstreckte und schon 2000 mehr als nur deutlich war, dass mobile Telephonie sich zwangsläufig hin zum kompletten Computer mit Dauer-Netzanschluss in Kleinformat entwickeln würde. Der ebenfalls 2000 schon prinzipiell angedachte moderne e-Bookreader mit „e-Paper„-Technik war wie vorhergesehen bis in die späten Nullerjahre noch nicht marktreif (bevor jemand widerspricht: siehe die Überlegungen zur Display-Güte und man überlege, wann die ersten „HD“-BookReader auf den Markt kamen). Zum vielleicht etwas seltsam anmutenden Titelteil siehe Fußnote (**Titel**).

I

Nachdem der erste Gedanke entstanden war, stellte sich unverzüglich das Problem ein, wie man ihn denn festhalten und bewahren könne, daß man ihn nicht unwirtschaftlich noch einmal denken müsse.

Im Verlauf der Menschheitsgeschichte wurden auf diese Frage viele Antworten gegeben:

  • über Generationenen auswendig zu lernende liturgische Gesänge,
  • in mehr oder weniger harten Stein geschlagene Zeichen,
  • auf Tier- und Menschenhäute gemalte oder punktierte Kodierungen und Bilder,
  • kunstvoll verknotete farbige Schnüre,
  • auf Rinde oder mehr oder weniger anderes geeignete Strauchwerk Aufgebrachtes,
  • flüchtig in Wachs oder Honig oder Ton Geschmiertes,
  • auf hunderte von Papierarten Gemaltes und Geschriebenes,
  • zwischen Buchdeckel Gepreßtes,
  • mechanisch und bleiern Gedrucktes,
  • auf Silberfolie Pathésiertes,
  • auf gigantischen Linotypes produzierte Zeichen und Formen aller Art.

Alle diese Formen des Bewahrens teilen sich mit dem Malen im Sand ziemlich unschöne Eigenschaften:

  • sie unterliegen unerwünschten Änderungen,
  • sind meist schwierig von Ort zu Ort zu schaffen und
  • sind letztlich vergänglich.

Hinzu kommt, daß vergangene Kulturen sich noch einbilden konnten, sie könnten zumindest das essentielle Wissen ihrer Weltsichten in einem Werk zusammenfassen, während wir Heutigen spätestens seit den Versuchen Diderots und seiner Genossen die leidvolle Erfahrung machen, daß mühevoll zusammengetragene und in gefällige Form gebrachte Information schon bei endlicher Veröffentlichung nicht mehr hinlangt, den neuen Videorecorder zu programmieren oder eine Steuererklärung abzugeben.

Die Erlösung ist heute in greifbare Nähe gerückt. Die Informationstechnologie kann künftig die zu bewirtschaftende Datenmasse sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht aufnehmen, strukturieren, indexieren, verknüpfen, gestalten und überall darstellen. Seitdem sich dies abzeichnet, gewinnen allerdings auch Probleme an Brisanz, die in den letzten Jahrhunderten eher in geschlossenen Zirkeln ausgekämpft wurden und die das Eigentum, die Urheberschaft und die Verwertungsrechte an der Information betreffen. Der Warencharakter von Information ist heute mehr denn je unstrittig – wie bei jedem Fetisch. Es geht also um die Zukunft und die Billionen von Währungseinheiten, die in ihr zu bewegen sind.

Und da, spätestens, hört jeder Spaß auf.

An der Schwelle vom ganz bestimmt nicht schönen Gestern (Andersch in den Sechzigern: „In diesen geistfernen Zeiten …„) zum ganz bestimmt ebenfalls nicht ideal werdenden Morgen ist es sicher angebracht, Kenntnisse zusammenzutragen über das technisch Bevorstehende (e-Book, Book-on-Demand, e-Paper, e-Commerce usw. usf.) und sich ein wenig auszutauschen über Befürchtungen, Hoffnungen, Erwartungen, Wünsche und Absichten in diesem Zusammenhang.

Soweit es mich selbst betrifft (reine Konsumentenseite), werde ich in den nächsten Tagen unter diesem Thread-Titel ein paar Daten und persönliche Meinungen einwerfen.

II

Alla – auf zu neuen Ufern! Im multimedialen Morgenlicht glitzert es dort verheißungsvoll golden und abballerungswürdige Schuppenleiber schlängeln sich in zigtausenden von Polygonen elegant texturiert durch das – leider, leider – zur Zeit noch sehr popelig Pixlige.

Das Alte, Gewohnte, türmt sich statisch in Regalen, auf Tischen und sonstwo. Da ist nichts interaktiv, keine Links, wenn überhaupt immer dieselben Bilder, keine Bewegung, kein Sound, keine Backgrounds, nichts Weiterführendes, nichts Verknüpfendes, kein Mix – eben nur vor sich hin gilbendes Papier und Pappe. Da ist kein Weg, der von hier und jetzt zum Dort führt – oder doch? Das wird noch zu betrachten sein.

Für jetzt und sofort brauchen wir, scheint’s, ganz neue elektronische (e-) Darstellungshilfsmittel, die zeitgemäß präsentieren können. In der Grundform handelt es sich dabei um „Reader„: Instrumente, Gerätschaften und/oder Softwareprodukte, die in der Lage sind, gegebene, beliebige Daten auf vielen verschiedenen Wegen zu präsentieren, jedoch nicht auf direktem Wege manipulieren können und sollen.

Ein wesentliches Prinzip dabei ist, daß es sich dabei um etwas handelt, das in Verbindung steht mit oder Verbindung aufnehmen kann zu einer oder mehreren externen Datenquellen und ansonsten hauptsächlich eine Anzeigevorrichtung darstellt.

Ganz allgemein wird gefordert, daß es sich „leicht“ – im Sinne von unkomplizert – bedienen läßt: Je weniger Schräubchen, Knöpfchen und sonstige Elemente, desto besser. Es muß weiterhin grundsätzlich multimedia-fähig sein und die gleichzeitige Ausgabe von u. U. vielen Datenstömen nicht geringer Komplexität auf qualitativ ausreichendem Niveau erlauben. Ein aufwändiges Dekodier- und Dekompressionsverfahren ist so in den Apparat zu integrieren, daß ein hack oder ein reverse engineering zumindest Otto Normalzahlvieh nicht ohne erheblichen Zusatzaufwand möglich ist. Die Schlüsselbreite darf 128 Bit nicht unterschreiten, 256 oder 512 Bit direkt vom Start weg wären besser(**1**). Ein standardisiertes, nicht-triviales Handshaking-Verfahren für Freischaltungen ist noch zu schaffen und zu etablieren. Dabei müssen aktuelle, allgemeine Backchannel– und Dialog-Techniken anderer e-Commerce-Verfahren berücksichtigt werden. Die Apparatur muß in vorhandenes Equipment integrierbar sein oder zumindest über funktionierende Schnittstellen verfügen. Die konkreten Handhabungseigenschaften jeder Vorrichtung werden in den nächsten Jahren anhand der Akzeptanz-Checks vielfältigen Modifikationen unterliegen (mit Sicherheit werden die Geräte wieder erst „beim Kunden reifen“).

Gegenwärtig erfüllen folgende Geräte Teile der Grundformforderungen bzw. werden in der näheren Zukunft (ein bis fünf Jahre) Teile erfüllen:

  • moderne Fernsehgeräte (in der Regel erst mit Zusatzausstattungen, die größtenteils noch nicht auf dem Markt sind)
  • neuere Spielekonsolen (nur in spezifischer Form)
  • „moderne“ PC (für den Einstieg reichen Geräte nach „Multimedia-Spec„)
  • neueste Mobile Phones bzw. allg. modernste Telephonie-Technologie (auch hier nur mit Ausstattungen, die noch nicht erhältlich sind)
  • existierende e-Book-Reader (gegenwärtig technisch mangelhaft)
  • VR-equipment (i.d.R. als Zusatzausstattung zum PC oder Entertainment- System; im Consumer-Bereich z.Zt. noch technisch/ergonomisch inakzeptabel)
  • Wearables“ (im Prinzip in Bekleidung integrierte PC-Teile bzw. VR-Techniken wie die „e-Brille“ bzw. „e-Glasses„)

Vom zur Zeit ggf. vorhandenen, gut ausgestatteten und netz-angebundenen PC abgesehen stehen in jedem Fall Neu-Investitionen bei den Privathaushalten an, die sich in die neuen Distributionsformen einklinken wollen oder müssen. Die Bereitschaft hierzu kann für einen nicht geringen Teil der Konsumenten als relativ hoch eingeschätzt werden – neben vielen anderen Faktoren, die hier mitwirken, gilt nach wie vor und immer noch anwachsend Multimedia-Technologie als sexy.

III

Resync …. successful in part, guess which …

Jede neue Technologie, die Alteingeführtem Marktanteile abjagen will oder muß, hat zum Gelingen im Durchschnitt deutliche Vorteile aufzuweisen. Bei dem gegebenen dusseligen Consumermarkt ist dabei nicht das Endprodukt entscheidend – ausreichend ist es, wenn die Produzentenseite Vorteile hat. Dabei ist logisch alles, was in Richtung Rationalisierung, Vereinfachung, Verteilung, Kostenreduktion etc. geht, stark motivierend.

Trotzdem muß sich die neue Technik dem Vergleich mit dem traditionellen Druckwesen stellen – und da siehts ganz schnell recht finster aus.

Im Bereich Audio und Video gibt es dabei weniger Probleme. Einmal, weil hier auf der traditionellen Seite Leere kennzeichnendes Merkmal ist und dann, weil es den modernen Verfahren immer besser gelingt, geschickt die menschlichen „Schwächen“ in der Wahrnehmung ausnutzend, qualitativ ausreichende und preiswerte Darstellungen zu erzeugen.

Bei stehendem Bild hört es aber auch schon wieder auf. Angefangen bei dem Problem der Auflösung über das Problem der Oberflächen (Reflexion, Winkelprobleme, Verzerrung etc.), Schärfentiefe in Vbd. mit nutzbaren Algorithmen (Verlust, „Schön“- oder „Klein“-Rechnung etc.) bis hin zur schier unlösbaren Problematik des Farbabgleichs auf individuellen Endgeräten (sowas macht nur solchen Menschen Spaß, die an nichts sonst in diesem Universum Spaß haben) stossen hier die „klassischen“ elektronischen Displays (TV und alle Arten verfügbarer Monitore) an massive Grenzen. Für den Bildband „Lavendelblüte in Südfrankreich“ auf einem e-Reader siehts daher gegenwärtig und für die nähere Zukunft ganz schlecht aus – unter der Voraussetzung, daß die Egal-Haltung der Verbraucher doch noch nicht so verbreitet ist, wie notorische Pessimisten unterstellen. Lösungen hierfür werden zur Zeit im Bereich neuartiger Polymer-Strukturen (e-Paper), Ansteuerungstechniken und vor allem im Bereich intelligenter Veräppelungsalgorithmen für das menschliche Auge in Verbindung mit e-Glasses gesucht – man macht sich dabei die Nach-Renderungsfähigkeiten des Gehirns zunutze.

Ganz albern wird es bei der Textdarstellung. Selbst wenn man wohlwollend unterstellt, die vielfältigen Feinheiten des Textsatzes (Unterschneidung, Wortausgleich, Seitenabgleich, Ligaturenbehandlung, valide Trennung usw. usf.) könnten von Knuths Jüngern(**2**) in die Software von Consumer-Endgeräten eingeschmiedet werden, bleibt das simple Problem der Auflösung der Displays in voller Gänze erhalten. 75 bis (allerbestenfalls) 120 dpi sind für die nächsten Jahre im Consumerbereich zu erwarten – gegenüber den üblichen 800 bis 2400 dpi des Druckhandwerks ist das ein Witz – ein schlechter! Die Auswirkung auf Reinheit, Schärfe und Lesefreundlichkeit des Fonts ist dabei natürlich trotz Anwendung diverser Tricks (Anti-Aliasing etc.) mit Händen zu greifen. Lösungen? Wenn überhaupt, dann wie oben unter Photo-/Grafikdarstellung beschrieben.

Nun heißt das alles natürlich nix.

Diejenigen, die sich mitten in der Szene in Auerbachs Keller von der Anzeige „Battery dead – contact your local deal……..“ gestört fühlen würden, dürften eh‘ in der Minderzahl sein. Auch zu mühsamsten Balanceakten mit den sperrigen Teilen in Betten und sonstwo wird die primäre Zielgruppe zugunsten des Beweises ihrer Modernität sicher gern bereit sein.

Für das Display eines Flyers („Comez 2 da rave – ädd oXXmurXX – pauerd by mTv smÖrrrebrrrÖd“), einer Kleinanzeige („Fahrrad sucht Gummizelle zw. gemeinsamen Chill-out auf einsamer Techno-Insel – (schmier dich selbz, da Säzza)), eines Börsentickers („inferior – stagn.“), essentieller Nachrichten („TSV Erfurt – BVB Doatmund – 3:1“), ja selbst für ein „Streiflicht“ wird es aber in jedem Falle dreimal reichen (für eine „Die Zeit“ oder die „Seite 3“ der SZ bin ich mir da persönlich schon nicht mehr sicher). Und was will der geneigte Bild/Tomorrow/Focus-Enthusiast denn auch mehr? Um’s mit Schweinchen Dick zu sagen: „Fakten, Fakten, Fakten!“ – mehr braucht es wohl in der Breite nicht.

(tiss commercial was pauerd by Filter, Nine Inch Nail, Skunk Anansie, Red Hot Chili Pepper, Live, Him, Muse, AC/DC, Lynnard Skynnard & mo‘)

IV

Fuzzy logic broken – use your imagination.

Die Stärken und Schwächen der e-Reader lassen eine Abschätzung der hauptsächlichen Nutzungsbereiche zu.

  1. Kurzzeitiges

The cry for …content bekommt auf diesem Feld eine Antwort. Praktisch alle Tageszeitungen, aber auch große Anteile sonstiger Periodika eignen sich bestens zur Anzeige auf e-Reader-Endgeräten. Der Massendurchbruch für e-Reader-Systeme, auch für Geräte mit proprietärer Technik, wäre wahrscheinlich am leichtesten auf diesem Gebiet zu erzielen. Bestechend daran ist, daß sich bei der Aufkommenseite, den existierenden, phantastisch professionellen Redaktionen und Agenturen und bei der Empfängerseite im Grunde kaum etwas ändern würde – nur die schon immer so lästigen und kostenintensiven Zwischenstufen würden dadurch überflüssig (das Ganze ließe sich rubrizieren unter „Murdoch’s Traum„). Es dürfte keine gewagte Annahme sein, daß sich die Haushalte auf Drückerkolonnen vorbereiten können, die ihnen mit dem Zwei-Jahres-Abo für den „???-Tagesanzeiger“ einen/mehrere e-Reader mit „superkuhlen Zusatzfunktionen für keinen Fennich Zusatzkosten“ anbieten.

Ganz allgemein wären aber auch alle anderen Daten, die man auf die Schnelle und nicht unbedingt auf Dauer braucht, geeignete Objekte für e-Reader – seien es Kataloge und sonstige Angebotsinformationen, das passende Liedchen zur Stimmung, das schnelle Game für die Zeit, in der Scheffe im Meeting ist oder eben alles andere, was man halt so täglich braucht. Dabei kommt es – wie es ganz bestimmt nur der Zufall will – grad gut zupass, daß überall auf der Welt gerade die Frequenzen, die man für so ein Multimedia-Dauerfeuer und eine derartige Bandbreite dringend benötigt, momentan meistbietend verscherbelt werden.

  1. Wissenswertes

Wenn bei Frau Dr. Lieschen Müller in der Zukunft der Kühlschrank eine Psychose bekommt, weil der Toaster ihn nicht mehr liebt, wird die Service-Agentur „HelpingHand“ gerne einen ihrer jungen, männlichen Mitarbeiter vorbeischicken, soweit sie das Problem nicht per remote control in den Griff bekommt. Dieser bildhübsche Kerl (auf Wunsch mit Schweißperlen) wird alle Vorteile von Zladdi in sich vereinen – aber kein intellektueller Makel wird das schöne Bild trüben, weil: sein mobile phone ist mit dem Zugang zur neuesten knowledge base ausgestattet! Mit äußerster Effizienz wird er sich des Problems annehmen: Servicestecker rein und dann Bildchen für Bildchen abarbeiten – solange, bis die Diagnose dann genau wie heute lautet „127,- Euro und 100,- Euro für An- und Abfahrt“. Es wird dabei überhaupt nicht auffallen, daß unser junger Monteur für 8,- Euro in der Stunde arbeitet und seine Lehre nicht abgeschlossen hat. Ihn selbst übrigens stört das am allerwenigsten – arbeitet er doch „in der IT-Brangsche, weiste?!“ und interessieren tut er sich ansonsten eh‘ nur für seinen 3er-BMW und Paragliding.

Auch unser Lieschen hat sich von veralteten Kulturgütern verabschieden können. Ihr großer Brockhaus – fuffzich Bände, 90 Kilo – ist dem One-size-fits-all-eReader gewichen. Für einen geringen (monatlichen) Preis hat sie nun Zugriff auf das Wissen der Welt – aktuell, multimedial, zukunftssicher, bequem. Ihr Provider hat seinerseits Verträge mit allen möglichen und unmöglichen Media-Providern, Verlagen und Agenturen und verwaltet die Accounts und die Zugriffe auf die Inhalte mit seiner Data-Warehouse Software. Auch komplexen Suchanfragen aus dem wissenschaftlichen Bereich sind die Data-Mining-Tools gut gewachsen.

  1. multimedial Kontemplatives

Auch wenn dieser Punkt eigentlich schon unter „Kurzzeitiges“ abgehakt scheint, kommt die Stoßrichtung hier aus einer anderen Ecke, verfolgt andere Ziele und wird (mit hoher Wahrscheinlichkeit) eigenständige Technologien nutzen. Es geht um Video-, Broadcast-, TV-on-Demand mit zugehörigen Sub-Vermarktungsstrategien. Der äußerst lukrative content der großen Medien- und Entertainment-Konzerne verbindet sich dabei mit Netz-Anwendungen und ersetzt das traditionelle Fernseh-Angebot. Letztlich werden die heutigen stationären PC, Spielekonsolen und TV/HiFi-Anlagen auf der Verbraucherseite in ein Entertainment-System verschmelzen.

Und wo bleibt dabei das Buch?

Bücher (oder „ge-e-Publishtes“) stellen für e-Reader aller Art einerseits eine Art „Grundanwendung“ dar, denn alles digital Verfügbare kann abgerufen und dargestellt werden, aber andererseits werden die e-Reader der „Anwendung: Buch“ nicht gerecht und wollen dies auch gar nicht.

Dabei geht es natürlich nicht um spezielle Anwendungsformen – e-Reader mit Sprachausgabefähigkeiten (das wird eine normale Funktionalität sein) werden vielen Menschen helfen, sich Bereiche erschließen zu können, die ihnen aus verschiedensten Gründen bislang verschlossen blieben – sondern um die breite Masse. Meiner Meinung nach werden die e-Reader, so wie sie zur Zeit entwickelt und positioniert werden, nicht der „Ersatz“ für das Buch.

Da ist (für mich) anderes im Schwange.

„Feld 7: Du hast Dich verlaufen; gehe zurück auf Feld 1“

Einige jüngere Artikel (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung) waren:

c’t 6/99, S. 192, J. Rink, „Die Geister, die ich rief – Chancen und Risiken der elektronischen Bücher“

c’t 24/99, S. 206, G. Hille, „Wie gedruckt, Electronic Book ’99 – Standards und Vertriebswege“

c’t 8/2000, S. 184, J. Rink, „Bits seitenweise – Die digitale Revolution erfasst die Verlagsbranche“

V

„It’s just a jump to the left ….“

<schwadronierON>

Nun ist ein Buch ja nicht unbedingt einfach nur ein Buch – ein Gegenstand flüchtigen Interesses wie beispielsweise ein Rasierapparat, ein Ferrari F40 oder ähnliche Alltagsgegenstände.

Bedeutungslosigkeit mag für viele Seiten-Meter gelten, die man sich zu Gemüte führt oder gar führen muß („Leitfaden: Wie mach ich meinen Vermieter fertig?“ oder „Einen Mieter kleinkriegen in 24 leicht verständlichen Lektionen“ etc.), aber es bleiben dann immer noch reichlich Büchsken übrig, bei denen ein Abtun als unnötiger Ballast schwerer fällt, als man es sich gemeinhin einzugestehen bereit ist.

Natürlich ist die äußere Form an sich völlig unwesentlich, aber es ist auch nicht nur der Inhalt, die Essenz, die an einem klebt wie ein Kaugummi. Ich weiß ziemlich genau, wovon ich hier rede, denn ich war selbst zu einer 1:10-Triage gezwungen und trauere immer noch jedem verlorenen Staubfänger hinterher. Schon die Schlepperei anläßlich von Renovierungen und Umzügen begründet eine zwar ächzende, aber immerhin doch vor allem Verbindung. Aber es ist ja nicht nur eine Last – ein Kaffeefleck auf einem Monitor ist ein Ärgernis, der Schmierfleck in der „Brautprinzessin“ ist aber ein Rücksturz durch Zeit und Raum zu dem hochfiebrigen Dreijährigen, der nur mit Mühe und Aufwand bei Laune zu halten war. Grobschlächt’ge Gesellen, die wir sind, braucht’s wohl stoffliche Wegmarken und Zeichen sonder Zahl, die den Weg uns können weisen – in uns hinein und/oder um uns herum. Wie macht man Eselsohren in einen eReader? „Hey yo, alter, voll simpel, oda? Da setzte hiern marker und alles is easy – krass, was?“ Aha – aber irgendwie nicht dasselbe. Aber wahrscheinlich sind Labyrinthe, für die man einen Faden gebrauchen könnte, ganz unmodern und sowieso abzulehnen und wenn, dann kauft man wahrscheinlich besser gleich den walkthrough und die cheat-codes mit.

<schwadronierOFF>

„… and then a step to the right …“

Und also muß sich alles, alles wenden – denn es ist etwas faul – bestimmt auch im Staate Dänemark. Zu teuer, zu diversifiziert, zu teuer, zu viel Konkurrenz von den neuen Medien, zu teuer, zu wenig kundenorientiert, zu teuer, zu umständlich, zu teuer, die Autoren kriechen zu Kreuze, zu teuer, die Verlage nagen am Hungertuch, zu teuer, der Handel vegetiert am Rande des Bankrotts usw. usf. – aber vor allem: zu teuer!

Viele Wege führen aus der jetzt fünfhundertjährigen Krise, die ja bekanntermaßen von Jahr zu Jahr immer nur schlimmer wird.

„Don’t be upset! It was a mercy killing. He had a certain, naive charme – but no muscle!“

Ein paar Möglichkeiten aus dem Angebot:

  • reaktionsschnelle Spartenbedienung (schon weit voran geschritten)
  • Verschlankung, Rationalisierung, Globalisierung (unter weiterer Ausnutzung von IT-Lösungen)
  • Vertriebsoptimierung (e-Trade)
  • Demand-Orientierung/Direktvertrieb (Book-on-Demand / BoD)
  • neue Technologien (e-Paper)
  • strategische Allianzen (content ist das Pfund, mit dem zu wuchern ist)

Ein paar dieser Dinge können für den Endkunden von hohem Interesse sein.

„Frank ’n‘ Furter! We meet at last!“

VI

Den Effekt der Spartierung konnte man in den vergangenen Jahren schon sehr gut beobachten. Je nach Jahreszeit und Stimmungen erscheinen in den Auslagen komplette, farblich aufeinander abgestimmte Cover, die zu jedem Event und Zustand die Rundumversorgung sicherstellen – allerdings nicht unbedingt mit bemerkenswert neuen Inhalten. In der jüngeren Vergangenheit haben auch viele Klein- und Kleinstverlage (mit enormer Kompetenz) in einer Sparte ihre Nische finden können.

Die Beweglichkeit zahlte sich hier für die Kleinen nicht selten mit Geschwindigkeitsvorteilen aus, die sich wiederum im Vermarktungsprozess positiv auswirkte. Es kann erwartet werden, daß sich durch die weitere Zunahme des Einsatzes von Informations- und Steuerungstechnologie die Produktions- und Distributionsprozesse zugunsten der Großverlage und Medienkonzerne ändern.

Geschwindigkeitsverbesserungen, Systemoptimierungen und Rückkoppelungsmechanismen mit dem Markt bewirken in großen Einheiten, die sich gleichzeitig auf zeitgemäße Aufbau- und Ablauforganisationsformen umstruktieren (etwas, was wiederum gleichzeitig den Einsatz bestimmter IT-Produkte erst ermöglicht), erhebliche Performance-Gewinne. Der schlanke Dinosaurier kriegt sozusagen mehr Hirn und kann schneller rennen. Ein weiterer Konzentrationsprozeß ist daher zu erwarten.

Dies gilt vor allem dann, wenn auf der anderen Seite die Autoren, die bislang mehr oder weniger gezwungen waren, „Mittler“ einzuschalten, um überhaupt auf den Markt zu gelangen, sich unter Nutzung alltäglicher Technik selbständig präsentieren können und sich dadurch als „neuer“ Marktkonkurrent etablieren. Dabei kann die Konkurrenzbeziehung auf zwei Ebenen gedacht werden: Der weltweit bekannte und nachgefragte Autor vermag selbständig zu operieren, weil er den Promotion-Aufwand nicht mehr nötig hat (daher der King-Versuch(**3**), der zwar zwiespältig verlief, dies jedoch nur den gegenwärtig noch unzulänglichen Netzgegebenheiten anzulasten ist) – hier ist die Konkurrenz zu den großen Konzernen angesagt. Für diese sind andererseits auch Abwehrmaßnahmen relativ einfach: Betreuung, Vorschuß, Technik, internationale Vermarktungsfähigkeiten, mangelnde Bereitschaft der Autoren, sich auf fremdem Gebiet zu betätigen und anderes bleiben überzeugende Argumente gegen die Autarkie derjenigen, die es schon „geschafft“ haben. Der „unentdeckte“ Autor oder der „erfolglose“ Autor, der nicht oder (seiner Ansicht nach) nicht ausreichend durch Mittler vertreten wird, wird die überwiegende Konkurrenzbeziehung darstellen. Dabei erwischt es diejenigen Verlage und Agenten, deren Geschäft der Aufbau eines Autors ist – dabei gehen unter Umständen diejenigen Rechte verloren, die man bislang „billig“ einkaufen konnte, um den Schnitt im Nachgang nach „Durchbruch“ oder als Zeitfolge zu machen. Auch autarke Autoren werden ggf. nach dem Gewinnen der Popularität diejenigen Dienste, die sie vorher selbständig leisteten, in die Hände von Mittlern legen – zu einem höheren Preis.

Zu der denkbaren Autoren-Autarkie gehört ein weiteres Problemfeld, das sowohl für die Autoren als auch für die Konsumenten gegenwärtig gänzlich ungelöst ist. Die gegenwärtige Rechteabtretung führt regelmäßig dazu, daß die Mittler entscheiden, wer wann wo und zu welchen Bedingungen überhaupt „verfügbar“ ist. Die unmittelbare und unbefriedigende Folge ist diejenige, daß die weit überwiegende Anzahl aller Titel zu einem gegebenen Zeitpunkt überhaupt nicht zugänglich (im Sinne von erwerbbar) ist. Hier treffen sich die Interessen der Autoren, die öffentlich sein wollen mit denjenigen der Konsumenten, denen an dieser indirekten Zensur nicht gelegen sein kann. Gegebenenfalls müssen die Regelwerke, nach denen zur Zeit die Rechte verwaltet werden, so modifiziert werden, daß ein Autor nach eigenem Ermessen auf Autarkie umschwenken kann, wenn er dies für notwendig erachtet. Die Mittler werden sich darüber nicht freuen. [Ergänzung 2002: kommt es hier nicht zu einer Einigung, ist die Verletzung der Rechte durch den Konsumenten durch P2P-file sharing oder ähnliche Maßnahmen die todsichere Folge – unabhängig von der offenen Frage, ob diese Art der Rechteverletzung überhaupt noch eingedämmt werden kann bei verbreiteter Nutzung digitaler Medien]

Wie der Kampf um die Befüllung der Bücherregale bei den Kunden ausgeht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Einen erheblichen Anteil an der Entscheidung des Kampfes hat dabei der Handel. Schon in den vergangen Jahren hat die Kostensituation den Rückzug von der Fläche hin zu konzentrierten MegaBookStores erzwungen. Es ist daher überhaupt nicht verwunderlich, daß die Angebote der Online-Buchversender bei der Kundschaft hervorragend (wenn auch bei weitem noch nicht kostendeckend) ankommen. 24-Stunden-Präsenz, Warenverfügbarkeit, (geringe) Kostenvorteile und bequemer Zugang decken für den Alltagsbedarf Konsumentenwünsche in einer Form ab, der der Shop-Handel zur Zeit nichts entgegenzusetzen hat.

Selber schuld – wer selbst auf zunehmende Anonymisierung der Geschäftsbeziehung gesetzt hat, darf sich nicht wundern. Eine ganze Zeit lang mögen sich die Geschäfte noch in der traditionellen Form über Lauf- und Gelegenheitskundschaft, Nicht-Netznutzer und vor allem über ihre Beratungs-Qualifikation über Wasser halten können – aber sie müssen anfangen, in die richtige Richtung zu schwimmen, sonst erreichen sie die rettenden Inseln nicht.
In einem neulich geführten Gespräch war sich ein Händler zum Beispiel sicher, er könne auf Dauer immer auf die typische „Ich brauch ein Buch für eine Achtjährige zum Geburtstag„-Kundschaft setzen. Die Möglichkeiten der Verbesserung von Oberflächen und die Tatsache, daß die Netzmöglichkeiten in diesen Dingen erst ganz am Anfang stehen, war ihm weder bewußt noch klarzumachen. Sicher wird es immer an bestimmten Stellen klassischen Handel geben (z. B. Reisecenter), aber der Rest wird sich wohl hin zum Event-Angebot wandeln müssen (Café, Online-Angebote, Multimedia, Sekundär- und Tertiärgeschäft), vom Aufspringen auf den digitalen Zug einmal ganz abgesehen (intern: B2B etc., extern: Eingliederung in den Online-Handel, Demand-Geschäft, Info-/Edutainment-Sale). Viele der großen Hökerer in den Zentren marschieren ja auch schon kräftig in diese Richtung.

Interessant (für den Kunden) könnte dabei eine Art gegenläufiger Trend werden: es besteht eine gewisse Aussicht auf Reaktivierung des Antiquariats-Angebots oder, um es nicht auf die qualitative Ebene zu bringen, zum Second-/Third-hand-Angebot. In Deutschland war und ist so etwas nicht unbedingt breit vertreten, aber möglicherweise bietet es für eine gewisse Zeit eine Alternative zum Wirt-Dasein für Nonkonformisten.

Ein Riesenproblem des klassischen Buchwesens war und ist die Verfügbarkeit der Droge. Nach Herausgabe, Verkauf der Erst- und ggf. nach Marktlage produzierter folgender Auflagen und der ggf. daran sich anschließenden diversen Verwurstungsmaßnahmen durch den Rechtehalter verschwindet ein Titel unter Umständen für ewig vom Markt – auch Bibliotheken sind hier nur bedingt eine Hilfe (wobei noch nicht einmal etwas über den katastrophalen Sachstand des öffentlichen Bibliothekswesens gesagt ist).

Vorausgesetzt, das Produkt liegt irgendwo irgendwie in digitalisierter Form vor, kann hier zukünftig mittels Print-on-Demand (PoD) dem Übel abgeholfen werden. Es ist prinzipiell eine große Sache, daß durch die Anwendung neuer Technologien ein Stand erreicht werden kann, in dem zumindest für den Kunden wirklich alles erreichbar ist, was er will und er nicht mehr davon abhängig ist, ob es den Rechtehaltern momentan in ihr dubioses Sortiment paßt oder nicht.

Die Digitalisierung der weltweiten Datenbestände schreitet in vielen Formen und Spielarten voran – von massiven technologischen Großeinsätzen der Konzerne angefangen bis hinunter zur privaten Eingabe von alten Quellen. PoD kann dementsprechend verschiedene Formen annehmen: vom privaten Druckjob der im Netz gefundenen Quelle angefangen bis zu den verschiedensten Formen kommerzieller Beauftragung. Die ersten tauglichen, für die kommerzielle Anwendung brauchbaren Maschinen sind kürzlich verfügbar geworden. Wenn die Schätzungen in bezug auf TCO (Total Cost of Ownership) und Nachfrage ungefähr richtig sind, dann könnte für einen Druck in minderer Qualität bei moderaten Lizenzkosten ein Endpreis zwischen 5,- und 30,- Euro für ein 300- bis 600-Seiten-Buch herauskommen (die Seitenzahl ist dabei nicht das entscheidende Kriterium).
Auch hierbei wird die technische Qualität nicht für Bildbände ausreichen – zumindest nicht für einen konkurrenzfähigen Preis, aber wie gesagt: es hängt eben davon ab, ob der Kunde eine Alternative überhaupt hat.

Der Riesennachteil dabei ist natürlich, daß man schon wieder Riesenstapel von Papier aufschichtet. Neben der Ressourcenvergeudung und der immer noch ungelösten Frage, wer den ganzen Kram denn nun abstaubt, ist dabei für den Kunden aber immer noch nicht das Problem gelöst, wie er „jetzt und sofort“ an eine Publikation kommt (vom unwirtschaftlichen privaten Ausdruck einmal abgesehen).

Eine Lösung, die der dem Menschen durchaus genehme und handhabbare Form des Buches entspricht, wäre das gegenwärtig bei verschiedenen Firmen in Entwicklung befindliche e-Paper. Dabei handelt es sich um moderne Polymere, die (ungefähr) das Aussehen von Papier haben und elektrische Ladungen halten können. Die gegenwärtigen Ergebnisse der Forschung sind natürlich noch sehr weit vom Akzeptablen entfernt (in Bezug auf Reinheit/Klarheit der Darstellung etc.), lassen aber durchaus auf marktfähige Produkte in den nächsten fünf Jahren schließen. Dadurch wäre eine Art Hybrid-Form zwischen Buch (mit seinen Vorteilen) und e-Reader (mit seinen Vorteilen) geschaffen, die andererseits einige der Nachteile nicht besitzt.

Ein weiterer möglicher Hybrid wäre das „leistungsgesteigerte“ Buch. Dabei handelt es sich grundsätzlich um das Angebot von Providern, zu einem gedruckten und beim Kunden vorhandenen Werk eine Art von Mehrwert zu schaffen. Wenn man so will: eine Art nachträgliche Ver-Linkung. Mittels eines e-Readers kann sich der Leser zusätzliche Daten aller Art verschaffen, die in einem Bezug zum Werk stehen. Dieses Angebot ist in der einfachsten Form schon so möglich, daß nach entsprechendem Zugang über Netz und Eingabe der diversen Suchbegriffe im Browser getrennt vom Werk die aufbereitete Information abrufbar wäre. Zukünftig wäre ein entsprechendes Zusatzgerät (ähnlich einem Lesezeichen) jedoch dazu geeignet, mit „Eigenintelligenz“ das jeweils Zutreffende automatisch abzurufen. Auch ist ein klassisches Buch mit e-Paper-Erweiterung und eigenem Datenspeicher denkbar.

Viel – eigentlich alles – auf dem zukünftigen Buchmarkt hängt davon ab, wie die diversen Rechtehalter mit „ihrem Content“ umgehen. Hüten sie eifersüchtig und abschottend ihre jeweiligen Reviere, würden sie in der Folge den Kunden/Nutzer zwingen, mit vielen verschiedenen Quellen zu interagieren. Das ist in dieser Form (mir) nicht vorstellbar. Anzunehmen ist eher, daß nur derjenige auf dem Markt bestehen wird, dessen Angebot präsent und umfassend verfügbar ist. Zu diesem Zweck müssen viele Vereinbarungen mit bislang nicht in Kontakt befindlichen Parteien geschlossen werden. Auch wenn dies in der informationstechnisch globalisierten Welt für alle Wirtschaftsbereiche uneingeschränkt zutrifft, mag so etwas für den traditionellen Buchmarkt noch mit am schwersten sein.

Man wird sehen.

thread-Auszüge

Sie fangen an.
Der örtliche Buchhandel stellt sich und z.T. auch Kataloge ins Netz, von kostenloser Zustellung natürlich kein Wort.

Das war nicht so der Punkt – die meisten Buchhandelsketten sind mittlerweile an einen oder mehrere Online-Versender angeschlossen. Bei einem (oder zweien? BOL oder Libris oder so), die ich selber probiert habe, funktioniert das sogar ganz nett: Man wählt aus einem Angebot von Händlern in der Nähe einen aus und der versendet/betreut dann (an) den Online-Bestellenden weiter (auch mit weiterer Werbung). Im Prinzip Online-Bestellung mit direkter Ansprachemöglichkeit eines konkreten Ladens.

Was ich allerdings meinte ist, daß es zur Bequemlichkeit der Online-Bestellung für den Leser/Kunden keine Konkurrenz gibt. Warum sollte ich (nur wegen eines Buchkaufs) mühselig in der Innenstadt keinen Parkplatz finden und mich dann noch durch die Massen an Auslage quälen und teilweise (!) von den Buchhandlungsverkäufer(Inne)n noch nicht einmal betreut werden können (ich kenn‘ mich in deren Katalogen und Programmen besser aus als die)? Was wäre der Anreiz, einen Buchhandel zu betreten, wenn ich ziemlich genau weiß, was ich haben will? (Von den elenden Ladenöffnungszeiten in Germania mal ganz abgesehen [zur Beachtung: geschrieben vor Liberalisierung der Öffnungszeiten])

… in Kürze in bester Lage eine Riesenbuchhandlung eröffnet (Meyersche), obwohl in Minutennähe schon mehrere sind. Wenn die Marktanalysen nicht ein Interesse dafür angezeigt hätten, würde das Risiko wohl kaum eingegangen.

Die großen innerstädtischen Stores sind während der Öffnungszeiten eingegliedert in das Event– und FunFunFun-Ambiente für das Freizeitvölklein, das die Straßen belebt. Ich habe angedeutet, daß diese Tendenz noch zu verstärken ist. Das da Buchhandlung drüber steht (oder auch eher nicht mehr), ist eigentlich mehr Reminiszenz, Alibi und Zufall. Verhökert wird da die nette Kleinichkeit nebenbei, das kulturelle Feigenblatt und Stofftiere, Blümkes, CD’s, Videos, Kleinkunst, städtische Lebensart, Kaffee und alles mögliche sonst. Das Büchsken als solches wird zum Mitnahmeprodukt („Billich? Ja, das willich“ oder „Achkuckma – süüüsss!“) oder Anlaß („Französische Woche – 2 killo frommaasch und dazu 1 killo Baudrillard für umsonz“).

Werden wir ein Volk von Lesern?

Doch eher nicht – s.o., TV, sonstige Informationsquellen etc. Wir SIND zu einem nicht geringen Prozentsatz (ich schätz mal 15 bis 25%) ein Volk von Besitz-Junkies an „Kultur“-Equipment und können uns die endlose Anhäufung von Sachwerten leisten. Oder leisten es uns trotzdem gerade, auch wenn Steuerberater, Hausbank, Gerichtsvollzieher und Mami dringend abraten.

(„Weana, du brauchs da nich reinkucken! Dat grün von den Einband passt nich zu unser Silbaeiche. Un aussadem stehn die dicken Büchsken da hinten.“)

wer/wieviele sind wir schon? [Online-Besteller]

Es gibt mehrere Aussagen hierzu. Da sehr Standpunkt-abhängig, lohnt sich die Kolportage nicht. Aber grundsätzlich würde ich mal behaupten, daß jeder Online-Nutzer (inkl. T-Online!), der ab und an Bücher kauft, potentieller Online-Kunde ist. Vermutlich haben min. 40-50% aller Onliner zumindest einmal eine entsprechende Bestellung aufgegeben. Das macht bei realistisch betrachteten ca. 2 Mio. Online-Nutzern [Anmerkung 2010: die Zahl bezieht sich auf das Jahr 1999 – und war schon reichlich hoch gegriffen] immerhin bis zu 1 Mio. in den letzten zwei Jahren. Eine sehr starke Fraktion dabei sind übrigens die Fachbuch-Kunden, im besonderen diejenigen, die schon seit Jahren die Schnauze gestrichen voll haben von den unsinnigen deutschen Preisen (von den zeitlichen Verzögerungen mal ganz abgesehen). Auch nach persönlichem Eindruck sind die dabei gemachten Erfahrungen im Durchschnitt positiv und führen, wie Umfragen belegen, zu hoher Akzeptanz und Bereitschaft zur Wiederholung. (u. a. sinnhaft und hype-bereinigte Wiedergabe aus diversen Focus-Ausgaben, dem Fachblatt für Meinungsführerschaft, Aufstiegsorientierung und allgemein FingeramPulsderZeitHaber)

Montanus-Buchhandlungen, die gross in das Net-Geschäft einsteigen

Wenn es eine Sache gibt, die wirklich klar und eindeutig ist, dann die, daß JEDER mitmachen muß, ob er will oder nicht. Und wie schon gesagt – die meisten am Buchmarkt Beteiligten sind in irgendeiner Form schon „drin“.



(**titel**) – Der Nebentitel „Wo geht’s lank, Peter Punk“ ist geklaut vom Untertitel eines Stücks des seltsamen Trios Trio namens „JaJaJa“, in dem sich Remmler und seine Gesinnungsgenossen über die 1982 schon im wesentlichen  nur noch als „Mode-Punks“ auftretenden Punks lustig machte und dabei wohl persönliche Lehrererfahrungen aus den End-70ern „verarbeiteten“ (nebenbei: dasjenige Stück des Albums und der Band, das wohl am wenigstens gehört wurde in dem ganzen Kurzzeit-Rummel der Band und der genauso kurzlebigen Welle drum herum mit der genauso merkwürdig langen nostalgisch verklärenden Nachwirkung bis heute…)

(**1**) – die frühen Realisierungen von verschlüsselten Verbindungen über das Internet in üblichen Hilfsmitteln wie Browsern waren in der Standardform als 64-Bit-Schlüssel realisiert. Solche geringen Schlüsselbreiten konnten auch mit damaliger Rechenleistung auf Endgeräten schon durch brute force attacks relativ leicht „geknackt“ werden; ganz allgemein war klar ab etwa 1997/8 und auch durch entsprechende Spezifikationen unterstützt, dass starke Verschlüsselungstechnologien und -methoden zwingend erforderlich würden in allen Bereichen der Übertragung, Speicherung und Verarbeitung von geschützten Inhalten (wobei allerdings nach wie vor unklar/unsicher ist und voraussichtlich bleibt, ob digitale Inhalte sich überhaupt mit einiger Gewissheit schützen lassen vor unberechtigtem Zugriff)

(**2**) – hier ist Donald Knuth gemeint, der eine für die Welt der Programmierung sehr wichtige und zentrale Sammlung von grundlegenden Algorithmen für den Gebrauch in der Software angelegt hat in den 60ern des 20. Jhdt. Mit dieser Sammlung und den sich daraus entwickelnden Prinzipien und Designs sind in der Folge alle Programmierergenerationen zwangsläufig vertraut

(**3**) – der weltweit bekannte und schon mit reichlichen globalen Bestsellern erfolgreiche Autor Stephen King machte im Jahr 2000 eine Art „Grossversuch“, in dem er als Direktvermarkter eines Buchs nur über eine eigene Internet-Plattform auftrat; zu diesem „frühen“ Zeitpunkt war selbst die kurze Zeit später schon beinahe global handelnde Plattform „Amazon“ noch in höchst unfertigem Zustand und die Verlage selbst waren damals wie heute (2014) selbständig zu im Grunde gar nichts fähig
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Eindrücke von „damals“ – e-Reader (wo geht’s lank, Peter Punk?)

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