Blättertod 2 – Wer stirbt da eigentlich?

Auf diesem Blog werden auch asbachuralte Meinungsäußerungen eingestellt, die irgendwann mal irgendwo von mir hingepostet wurden. Der Grund dafür ist, dass solche Artikelzombies irgendwas enthalten, worauf sich der Blog insgesamt oder einzelne Artikel darin beziehen (könnten). Dieser Artikel wurde ursprünglich veröffentlicht auf einem komplett irrelevanten Webforum im Januar 2013.

Link-Hilfe: Alle „Blättertod“-Beiträge übersichtlich in Reihenfolge

Wenn man schon als reiner Konsument über uninteressanten Kram aus der Welt der Verlage, Zeitungen und Journalisten nachgrübelt, dann kann man wenigstens auch noch ganz und gar uninteressante Einzeldaten als Beispiel hinzufügen, habe ich mir so gedacht. Zur Anschaulichmachung des großen kommenden Elends, habe ich mir gedacht. Aber welche Daten? Jene, die so polymorph pervers veranlagt sind, dass sie sich selbst für elende Medienlügen über verlogene Medien interessieren, die kann man mit Daten ja schon seit Jahrzehnten nicht mehr erregen. Die kennen die Links ja alle, wo sich die Wurschtl-Crème unseres „vierten Standes“ seit ewig gegenseitig die Wahrheiten um die Augen hauen und trotzdem keinen einzigen Schritt weiterkommen. Wer sich unter den Normalos das Trauerspiel anschauen möchte, kann sich nach Bedarf den ganzen Quatsch reinziehen auf  „Plattformen“ im Netz, auf denen sich „neue“ Online-Journalisten mit „alten“ Print-Journalisten auseinandersetzen (oder eben vor allem: nicht). Es gibt da viele, aber beispielsweise „Meedia“ oder „turi2“ oder „vocer.“ mögen in erster Näherung als Einstiege dienen.

Meedia ist für nix anderes gut als für die Betrachtung der heißgeliebten „Rankings“ und „Quoten“ von Medien aller Art inklusive Printprodukten und online-Portalen von z.B. Zeitungen. Aber da „Reichweite“ für Öffentlichkeitswerker aller Art das allerallerwichtigste Kriterium überhaupt ist, muß man solche Nachrichten auch immer mitbetrachten, sonst kann man die Kränkungen und Erfolge und Wichtigkeiten gar nicht erst einsortieren. Die anderen beiden „Portale“ sind Beispiele für zahlreiche Nabelschaubereiche der Medienschaffenden bzw. „Kreativen“, aus denen man jeweils vom Einzelangebot zu baffzigtausend Einzelangeboten der individuellen Medienleute hoppsen kann – wenn man das wollte. Eins der „kleinen“ Probleme auf diesem Markt der Eitelkeiten ist es, dass jeder, der die Tinte nicht halten bzw. seine Wichsgriffel nicht ohne Tastenbetätigung stillhalten kann, neben der eigenen Webseite noch allermindestens zwei bis drei „Blogs“, mindestens einen Google+-account, mindestens ein Facebook-Profil, zwei bis drei Pinterest-accounts, Dutzende von sonstigen „social media“-accounts (Xing, LinkedIn & whatnot) UND natürlich noch Dutzende von Twitterkanälen betreiben MUSS (berufstypische Zwangsstörung). Man kann sich nur wundern, wie solche Leute eigentlich noch neben ihren Vortragstätigkeiten an den VHSen und Seminaren, ihren diversen Buchprojekten, Lesereisen, TV-Auftritten und Nebenprojekten ÜBERHAUPT ihren eigentlichen Job, für den sie in irgendeiner Redaktion bezahlt werden, machen können. Nur Gestörte…

Aber ich wollte ja ein uninteressantes Beispiel bringen.

Dazu kann man sich die Sache einfach oder schwer machen. Einfach ist es bei der taz, weil zumindest mal die seit jeher Teile iher Zahlen und Kennziffern darlegt (unter anderem auf dem taz-Hausblog – wobei man immer den verlagseigenen Perspektivansatz einkalkulieren muß). Schwer wird es bei den großen Verlagsgruppen. Dort könnte man auf eine Einzelzeitung oder die Gruppe hin auch alles mögliche aufdröseln, müßte dazu aber mühselig Bilanzen entschlüsseln, ewig lang an den ganzen Drecksbeteiligungen herumpusseln, Werbeknete und Verkaufsdaten rausanalysieren und schlussendlich das Ganze mit potentiellen online-Erlösdaten aus Google Analytics und vglb. abgleichen – das ist selbst für Schwerstgelangweilte zu mühsam.

Also kann man auch mal näherungsweise und prototypisch den taz-Kram hernehmen, der die Basislage gut genug verdeutlicht. Die Daten sind grob zusammengepanscht aus Hausblog-Beiträgen und betreffen Werte aus den Jahren 2010 bis 2011/12 (z.B. hier oder hier oder hier oder hier), jeder Interessierte kann sich genauere Werte live besorgen.

Jahresumsatz: rund 25+ Mio.
davon: rund 18 Mio. durch Abonnenten, 2 Mio Abverkauf, Rest Kleinkramscheiß (Werbung, Auftragsdienste, Nebenprodukte)

Die taz stellt ihren gesamten Kram seit immer ins Netz. Obwohl „nur“ ein Abfallprodukt des elektronischen Redaktionssystems, entsteht durch die online-Präsenz naturgemäß ein gänzlich eigenständiger Aufwand (online-Redaktion, Netztechnik, Personal/Hardware, traffic-Kosten). Eins der vielen lustigen Dinge im Kostenkalkulationsbusiness ist es bei diesem speziellem Aufwand, dass er immer teurer wird pro Jahr, obwohl angeblich die Netze, die Hardware und die diversen tools immer billiger werden – aber das ist eine andere Baustelle. Der Aufwand beziffert sich im Jahr 2011/2 für die taz grob auf:

Jahresaufwand „online“: rund 600.000 bis 700.000
Einnahmen „online“: 200.000 bis 250.000 durch Werbung

Miese durch online-Angebot: genau.

Und wo sind da die lieben bezahlenden Leser? Denn seit langem könnte jemand, der auf taz.de einen Artikel liest und z.B. für den eigenen Bedarf auf Facebook oder sonstwo copypastet oder verlinkt oder diesen gelesenen Artikel einfach „gut“ findet, für seine Nutzung freiwillig bezahlen – alles ist pro Artikel angeboten, was dazu nötig ist: flattr, paypal, Bankeinzug usw.

Effekt: zwischen 1.000 und 2.500 kommen dadurch pro Monat rein (Angaben aus 2010 bis 2011), manchmal weniger, manchmal mehr, letztlich höchstens 20, 25 Tsd im Jahr. Wie es verschiedentlich im Hausblog herausgestellt wurde: 0,45 Prozent nur der Personalkosten, nicht der Gesamtkosten, kamen durch freiwilliges Bezahlen über das online-Angebot herein. Nullkommavierfünf Prozent.

Sprich: Im Monat zahlt die taz 900.000 Euro an ihre Mitarbeiter. Davon kam nur 0,45 Prozent über freiwilliges Bezahlen für taz.de herein. (Sebastian Heiser, taz)

Heißt: Das print-Produkt taz bezahlt für das riesige Verlustgeschäft taz.de. Seit immer.

Und die taz ist in mehrererlei Hinsicht besser dran als alle anderen printler – ganz grundsätzlich werkelt da ein genossenschaftliches Modell im Hintergrund, das im Vorschussprinzip Kapital einschießt, es gibt total bekloppte Abhängige als Abonnenten, die durchweg (viel) mehr bezahlen als gefordert für ein Produkt, das sie überhaupt nicht lesen und die gesamte Aktion war von Anfang an kaum werbefinanziert.

Und speziell die Abhängigkeit von der Werbefinanzierung im „traditionellen“ Geschäftsmodell bricht den anderen Verlagsgruppen sozusagen den Hals. Auch wenn die immer noch hervorragenden Jahresdividenden der großen Verlage (jahrelang zweistellig, nun immer noch hoch einstellig – eine Dividende, die in anderen Geschäftszweigen hoch anrüchig wäre und erheblichen Verdacht auf unlautere Machenschaften aufkommen ließe) noch nicht darauf schliessen lassen – für die einzelne Zeitung ist der Werbemarkt so „knapp“ geworden, dass die früher üblichen Ertragsverhältnisse von 70+% Werbung und 30-% Abo/Abverkauf sich langsam aber sicher ins Gegenteil verkehren und das bei sinkendem Abo/Abverkauf.

Aber auch die taz ist (natürlich) in prekärstmöglicher Lage: sinken die Abo-Zahlen oder die Abo-Einkünfte, ist der Laden erledigt – und zwar ratzfatz. Und selbstverständlich leben auch die grünen Bäumeknutscher nicht in einer anderen Welt als jeder andere. Die haben selbstverständlich auch in den letzten Jahren auf „Smartphones“ und tablets und Scheissdreck umgestellt und holen sich ihre Infodroge woanders – und Huch!: natürlich sinken die Abozahlen. Und die Einnahmen erhöhen sich nicht, schon gar nicht die Einnahmen online (mittel-/langfristig, vom PayWahl-Gag unabhängig).

Der take home-Punkt dieses Beispiels ist: Stirbt print, stirbt lange vorher online (-Plattform des Blättchens).

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