Blättertod 1 – Alles Googles Schuld!

Auf diesem Blog werden auch asbachuralte Meinungsäußerungen eingestellt, die irgendwann mal irgendwo von mir hingepostet wurden. Der Grund dafür ist, dass solche Artikelzombies irgendwas enthalten, worauf sich der Blog insgesamt oder einzelne Artikel darin beziehen (könnten). Dieser Artikel wurde ursprünglich veröffentlicht auf einem komplett irrelevanten Webforum am 11.12.2012.

Link-Hilfe: Alle „Blättertod“-Beiträge übersichtlich in Reihenfolge

Man hätte als braver Konsument und treuer Leser dazu neulich schon was schreiben können – zum Beispiel anläßlich der ersten Lesung des eingebrachten Entwurfs im Bundestag zum „Leistungsschutzrecht“ (aka: „Lex Google„) Anfang Dezember 2012, das nächtens um halb zwei von den paar ausharrenden Volksvertretern blitzartig in einen Ausschuss verwiesen wurde.

Oder ein paar Tage zuvor, als ehrenvollerweise der Welt größte Geldsammelmaschine „Google“ der verblüfften deutschen Öffentlichkeit auf ganzseitigen Zeitungsanzeigen (mit vollem Tarif bezahlt, immerhin) wochenlang entgegentrat mit der erschütternden Nachricht, das Finden von Inhalten im Netz sei durch die bevorstehenden unheilvollen Aktivitäten im deutschen Bundestag (man höre und staune) in drängender Gefahr. Aber das brauchte man auf den Massengefängnissen des Netzes á la facebook et al. nicht gesondert zu kommentieren, weil natürlich echte Experten stante pede ganze Wutartikel mit dem Link zur Google-Kampagne einstellten – deshalb war also auch die netzwichtige „social net“-Klientel voll eingebunden in den Kampf um die wichtige Verteidigung der Nutzerrechte.

Man hätte auch was schreiben können zur endgültigen Bekanntgabe des sanften Sterbens der FTD oder der FR – interessiert aber eh‘ keinen. Wobei ich mich beinahe etwas gewundert habe, dass das gleichzeitige Verscheiden der „Zeitschrift“ (nunja, Zeitschrift…) „Prinz“ keine Tränchenkullerei im „sozialen Netz“ verursachte – da gab’s ja immerhin wohl nackte Weiber drin, aber wohl nicht genug Katzenfotos. Man hätte auch schon vor 10 Jahren was zum Dahinsiechen der armen Blättchen, die im Winde rascheln, schreiben können (hat man ja auch, bestimmt sogar im sogenannten Internet) – etwa als „Die Woche“ krepierte oder irgendwelche anderen Blätter.

Aber im Grunde hat ja niemand was davon, wenn man dazu herumheult. Was auch nicht ganz stimmt, denn bei jedem einzelnen Blättchentod und vor allem wegen dem total düsteren AUSBLICK verdienen sich alle möglichen oft „freien“, aber dafür (angeblich) massiv unterbezahlten Journalisten ein paar Eurolousy pennies“ damit, in allen möglichen und unmöglichen Blättern Artikel über den bevorstehenden „Blättertod“ zu hieven. Solang‘ es sie eben noch gibt ist das ein schönes Klagethema (inklusive „Untergang des Abendlandes“ + „Das Intarwebs wird uns alle noch töten!“ + „Wir werden alle immer dümmer“ usw. usf.).

Das „Problem“ – was es eben genau nicht ist! – ist wie bei allem „content“ (Musik, Film, Büchskes…) immer das gleiche – das „neue Medium“ Internet macht die ganzen alten gewohnten Vertriebsstrukturen kaputt. Wobei das auch nicht ganz stimmt, es macht nur das bisher gewohnte einträgliche Geschäftsmodell kaputt. Stimmt auch nicht, weil es eigentlich nur die Werbung ist, die ihre Kohle anders verteilt. Heißt: eigentlich ist es nicht das böse Internet, das den armen gequälten Verlegern ihre treuen Leser wegnimmt (die ihnen immer egal waren), sondern es ist das gute, mit maximalem Impact investierte Werbeglitzergeld, dass denjenigen weggenommen wird, die darauf EIGENTLICH ein verbrieftes Anrecht haben. Und das doofe Internet bringt nicht genug ein, um den Verlust auszugleichen. Traurig ist es, wirklich traurig.

Aber jetzt so langsam zeigen die Blätter den usern, wo der wahre Nutzen steckt, jawohl! Sie ziehen gnadenlose Paywalls auf nach dem Muster der neoliberalen Kapitalistenblätter NYT und WP – ab morgen (das war der 12.12.2012) das erste Springer-Blatt (Die Welt) und übermorgen bestimmt alle anderen, weil die user ab sofort selbstverständlich!! ihr Portemonnaie rausholen und den Blättern verängstigst die Scheinchen wieder rüberschieben werden, die bei der Werbeknete wegbrechen. Und wer hat damit in Germanien angefangen? Das grün-alternativ-faschistoide taz-Blättchen, natürlich – wer auch sonst?

Aber wie’s halt sogar im Stammland der menschenverachtenden Ausbeutung so ist, hält es sich derzeit mit der Bezahlschrankerei gegenüber den achsogeliebten Lesern immer noch sehr in Grenzen. 20 Artikelviews sind auch bei NYT/WP möglich, bevor die Aufforderung zur milden Spende kommt – und wer „private“ browst oder seine Cookies löscht (was auch aus ganz anderen Gründen eine grundsätzlich gute Idee ist), merkt von der Bettelei… gar nichts. Bei Springers ist das auch so – mit dem netten Leistungsschutzrechtsnebenwitz, dass dann, wenn man von Google aus über einen Link (z.B. von Googles News-Seite, der furchtbar angefeindeten) zum Artikel kommt… überhaupt keine Bettelei stattfindet. Huch.

Nur die faschistoundsoweiter taz macht es wieder mal viel neoliberalistischer: Da poppt ein ganz ein schlimmer Layer auf (machmal), der einen barsch zum Zahlen auffordert – mit Knöppchen „nö“, woraufhin der Layer wieder verschwindet und alles ist wie es vorher war. Und den ganzen Budenzauber (auch über Cookies gesteuert) kann man natürlich auch komplett mithilfe verschiedener Techniken unterdrücken, wenn man schon so evil sein will (ich z.B. will – aber aus Dummheit und Ignoranz schmeiße ich diesem Pack ja auch Geld in den Rachen).

Naklar wird das alles keine Erträge bringen – deshalb jaulen sie ja auch alle Übermutter Google um Geld an, aber es bereitet das Bett für die neuesten Forderungen des „Qualitätsjournalismus“, die man nun verschiedentlich hat lesen dürfen: „öffentlich-rechtliches Modell“ und Anhängen an die Haushaltsabgabe (die neue, von allen angefeindete, ab 2013), um die unverzichtbare Leistung der Redaktionen zu erhalten.

Wie so was aussehen kann, könnte man z.B. in Italien bestaunen, wo staatliche Zuschüsse an kommerziell arbeitende Verlage vergeben werden – und zwar nach gedruckter Auflage (falls das nicht angekommen sein sollte: NICHT nach verkaufter Auflage). Was dort mittlerweile dazu führt, dass überwiegende Teile einer gedruckten Auflage direkt von der Druckerei zum Recyclinghof gefahren werden. Endlich ist man die doofen (aber trotzdem heißgeliebten!) Leser los bei diesem Verfahren.

Mir fällt grad‘ auf, dass es ein langweiliges, nicht besprechenswertes Thema für Konsumenten ist. Aber nu isses zu spät.

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